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Islam-Theologen setzen Zeichen gegen den IS-Terror

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ISIS Terroristen 12

der Koran 7

Wie die aktuelle Weltpolitik die Debatte über den Islam beeinflusst

Die islamische Theologie ist an deutschen Unis immer noch ein neues Fach. Bei einem Kongress in Köln bemühten sich Islamwissenschaftler nun um eine zeitgemäße Positionsbestimmung – denn sie wollen die Deutungshoheit nicht den Extremisten überlassen.

„Zu einem Zeitpunkt, in dem an anderen Ecken der Welt Menschen, teilweise aus Deutschland, Gewalt im Namen der Religion rechtfertigen, wenn Laien ihre politischen Absichten mit einer Tradition rechtfertigen, ist es natürlich auch eine akademische Pflicht derjenigen, die sich mit dieser Tradition beschäftigen, zu sagen, das ist nicht die Tradition.“

Die Stimmen werden lauter gegen den Terror der Miliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien. Auch unter den deutschen Islamischen Theologen. Zu Beginn des Kongresses in Frankfurt  gaben Vertreter der  Zentren  für Islamische Theologie eine gemeinsame Erklärung ab. Bekim Agai, geschäftsführender Direktor des Frankfurter Instituts für Studien der Kultur und Religion des Islam, rief mit dazu auf, die Deutungshoheit über den Islam nicht Extremisten und Gewalttätern zu überlassen. Man sei „zutiefst bestürzt“ über den Terror der IS und die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten. Noha Abdel-Hady unterstützt ebenfalls diese Erklärung.

„Wenn Menschen, die nichts mit dem Islam zu tun haben, so etwas medial verfolgen, dann bestimmt das ihr Bild von Muslimen. Und das auf so einem Kongress klarzustellen, in einem wissenschaftlichen Rahmen, ist wichtig. Dass man das als Muslim verurteilt, was gerade passiert.“

Die Hamburger Nachwuchswissenschaftlerin promoviert zur Zeit noch am Graduiertenkolleg Islamische Theologie. Später möchte Noha Abdel- Hady einmal als Wissenschaftlerin an einer deutschen Uni arbeiten.

„Der Kongress ist eine Chance zu zeigen, dass die Islamische Theologie auf dem besten Wege ist, sich zu akademisieren, sich in der Gesellschaft zu etablieren als ein wichtiger wissenschaftlicher Standpunkt, der Integration und Zusammenleben auf einem akademischen Niveau herbeiführen kann. Und dabei ein Teil zu sein, ist natürlich eine tolle Chance.“

Neue Wege der Koranauslegung, gendersensible islamische Theologie oder islamische Seelsorge – die Themenpalette des Kongresses „Horizonte der islamischen Theologie“ ist breitgefächert. Das Ziel: die Vielfalt der Islamischen Theologie sichtbar zu machen und zu reflektieren. Und zwar im  Austausch mit anderen Wissenschaften, wie etwa den christlichen Theologien oder den Islamwissenschaften.

„Wohl kaum ein Fach ist so stark mit Erwartungen aufgeladen wie die Islamisch-Theologischen Studien.Das Spannungsfeld, in dem sich die Islamisch-Theologischen Studien befinden, resultiert aus unterschiedlich gewichteten Zielen von Staat, Gesellschaft, Religionsgemeinschaften und Universitäten, den Studierenden und nicht zuletzt der internationalen Beschäftigung mit der islamischen Tradition.“

Die Herausforderungen sind also groß – das wurde bereits in der Eröffnungsrede von Bekim Agai deutlich. Wissenschaftliche Standards entwickeln, das Verhältnis zu den muslimischen Religionsgemeinschaften klären und sich manchmal auch gegen überzogene Ansprüche aus der Politik wehren. Zum Beispiel, wenn es um  die Integration von Muslimen geht.

„Hier muss eine geistesgeschichtliche Tradition erschlossen werden“

Hinzu kommt: Die Studierenden müssen erst noch lernen, sich akademisch und  kritisch mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. Theologie eben als Wissenschaft zu  begreifen. Um etwa einen arabischen Text aus dem 14. Jahrhundert wirklich verstehen zu können, reicht es nicht aus, ihn einfach ins Deutsche zu übertragen.

„Hier muss eine geistesgeschichtliche Tradition erschlossen werden und dann in eine Sprache, die diese Begrifflichkeiten in Bezug auf den Islam  noch gar nicht hat, übersetzt werden. Und zwar so, dass Studenten aus der deutschen Bildungstradition und Kollegen an der Universität aus anderen Wissenschaftstraditionen dies verstehen können. Und das stellt sich als sehr schwierig dar.“

Ein zentrales Thema: Islamische Religionspädagogik. Denn immer mehr staatliche Schulen bieten muslimischen Kindern Religionsunterricht an. Was muss Islamunterricht leisten? Wie sieht ein kompetenzorientierter Religionsunterricht aus? Um diese Fragen ging es im Vortrag des Religionspädagogen Mouhanad Khorchide.  Und darum ging es auch in der anschließenden Diskussion.

Frau: „Das machen wir seit 20 Jahren, dass wir einem Kind nicht nur sagen, das hat der Koran gesagt, sondern warum ist das so. Das machen sehr viele Lehrer schon, bevor jemand auf die Idee gekommen ist, das Kompetenzorientierung zu nennen.“

Khorchide: „Sie haben vollkommen recht, es geht aber nicht nur um eine rationale Reflexion.“

Islamunterricht  in deutschen Klassenzimmern ist Pionierarbeit. Immerhin, inzwischen gibt es Schulbücher, Lehrpläne wurden erstellt und auch die religionsdidaktischen Diskussionen haben sich weiterentwickelt.

„Wir thematisieren nicht mehr die Frage, warum Religionsunterricht wichtig ist, sondern wir thematisieren schon die Methoden des Unterrichtens. Eine Herausforderung dabei ist, dass wir genauer schauen, was ist spezifisch islamisch im Religionsunterricht, so dass wir nicht einfach die didaktischen Modelle des christlichen Religionsunterrichts unreflektiert auf den islamischen übertragen.“

Beim Aufbau der Islamischen Theologie stehen nicht mehr wie zu Beginn organisatorische und strukturelle Fragen im Vordergrund, sondern die Inhalte. Auch der Kongress ist Ausdruck dieser Entwicklung.

So ein Kongress bietet einen Rahmen des Konkurrierens der Positionen, auch ins Gespräch kommen. Nicht alle Kollegen etwa sind mit der Theologie der Barmherzigkeit voll d’accord. Islamische Theologie war von Anfang an immer vielfältig, und das ist gut so, dass diese Postionen miteinander ins Gespräch kommen.“

Das ist aber nicht immer einfach. Khorchide hat es selbst erlebt. Mit seinem populärwissenschaftlichen Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ etwa, erregte er nicht nur viel Aufsehen, sondern auch viel Widerspruch, vor allem von den muslimischen Verbänden. Eine Debatte, aus der man auch etwas lernen kann, so Ulrich Schüller,  vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, kurz BMBF.

„Erstens Geduld, und zweitens, Wissenschaft schafft Transparenz, schafft eine kritische und selbstkritische Auseinandersetzung. Mit Strömen und Strömungen. Und das muss man zulassen. Dann wird Wissenschaft lebendig und hat auch diesen Impuls in eine offene, tolerante Gesellschaft hinein.“

Der Kongress gibt dem BMBF-Vertreter  auch die Möglichkeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen über die Entwicklung der Islamischen Theologie in Deutschland.

„Wir haben in den Studiengängen eine große Nachfrage. Das zeigt, der Bedarf ist groß, und  dieses kleine Abenteuer, diese ganz neue Disziplin in der Bundesrepublik mit zu unterstützen, greift, findet große Zustimmung. Nicht nur in der Wissenschaft, auch bei den Studierenden.“

Die islamische Theologie steckt im Selbstfindungsprozess

Das Interesse der etablierten islamischen Theologie im Ausland am neuen Fach wächst ebenfalls. Zahlreiche Islam-Experten, aus dem Iran etwa, aus Ägypten und der Türkei, nahmen am Frankfurter Kongress teil. Einer von ihnen: der bekannte iranische Philosoph und Vordenker Abdolkarim Soroush.

„Es ist  eine gute Entscheidung. Und es wird nicht nur Muslimen helfen, auch Nicht-Muslimen, Christen, besonders auch der Öffentlichkeit hier, zu begreifen, was Islam ist, was Islamische Theologie beinhaltet. Und die meisten Missverständnisse werden nach und nach verschwinden.“

Die Islamische Theologie in Deutschland habe in kurzer Zeit viel erreicht, sagt Ali Dere, Der Wissenschaftler der Universität Ankara hat sich auf die Erforschung der Hadith, der überlieferten Sprüche des Propheten Mohammeds, spezialisiert und war früher Vorsitzender der Ditib, des größten religiösen Verbandes der Türken in Deutschland. Nun komme es darauf an, so Dere, wie sich die Zusammenarbeit zwischen den Zentren für Islamische Theologie und den Hochschulen in den islamisch geprägten Ländern weiter entwickle.

„Wenn festgestellt wird, dass man gemeinsame Themen und Forschungsbereiche hat, dann wird man sich gegenseitig nicht als Rivalen sehen, sondern als Partner, welche an einer Frage forschen und sich gegenseitig ergänzen. Solange wir sehen, auch hier bei dieser Tagung in Frankfurt, diese Internationalität, glaube ich, wird die Islamische Theologie in Deutschland auch in islamischen Ländern ernst genommen.“

„Interessanterweise finden alle, dass Deutschland für die Institutionalisierung der Islamischen Theologischen Studien ein guter Ort ist, wo sich eine deutsche Wissenstradition aus der Religionsphilosophie und aus dem leider in Deutschland in den letzten Jahren zu wenig geschätzten Ideal der Universität im Humboldtschen Sinne. Also eine Theologie, die aus dieser Bildungstradition schöpfen kann und wo Leute aus islamisch geprägten Ländern sagen, ja, ich bin gespannt, was ihr da macht.“

Noch steckt die Islamische Theologie mitten in einer Art Selbstfindungsprozess. Sie braucht Zeit, um  ihren eigenen Weg zu finden. Umso wichtiger sei es, sagt Bekim Agai, genug Raum zu schaffen für  Austausch und innerislamische Debatten. Nicht nur in den Kaffee-Pausen. Ein ganzer Tag wurde in Frankfurt dafür eingeplant.

„Trotz Internet, Facebook braucht es Orte, wo man sich trifft. Daraus ergeben sich ganz andere Dynamiken. Und da bin ich jetzt schon gespannt, in welchen großen und kleinen Projekten diese Impulse fortgeführt werden.“

siehe    http://www.deutschlandradiokultur.de/kongress-in-frankfurt-islam-theologen-setzen-zeichen-gegen.1278.de.html?dram:article_id=296773

 

siehe auch     „Eine Frage der Ehre“   Sonderseiten über die weltweite Bedrohung durch den islamischen Fundamentalismus / Faschismus       http://www.deutschlandradiokultur.de/kongress-in-frankfurt-islam-theologen-setzen-zeichen-gegen.1278.de.html?dram:article_id=296773

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Über grauwolfzauberer

Ich bin zweifellos kein pflegeleichter, unumstrittener Zeitgenosse. Wenn ich in den letzten Jahren gefragt werde, was ich beruflich mache, antworte ich meistens: Ich bin Zyniker - und boshaft bissiger Satiriker. Aber real war ich über viele Jahre Fotokünstler, jetzt allerdings im Rentnerstatus, bin immer noch Lyriker und Erzähler, was nicht häufig vorkommt, denn die meisten Literaten - und ich nehme diese Bezeichnung relativ ernst - sind entweder Erzähler oder Lyriker, selten beides. Ich habe viel veröffentlicht und immer noch mehr Ideen, als ich tatsächlich in Endform verfassen kann. So verfüge ich über ein riesiges Rohentwurfsarchiv, habe mir aber fest vorgenommen, das auf jeden Fall noch in diesem Leben durchzuarbeiten - und noch viel mehr zu veröffentlichen. Ich habe vor langer Zeit Kunst studiert, in Essen und Bremen, war dann ein paar Jahre in der Comercial Werbung tätig, bis mir endlich klar wurde, dass das nicht das war, was ich wirklich machen wollte, dafür habe ich nicht jahrelang Kunst / Fachbereich Fotografie studiert. So begann über kleine Umwege mein Leben als freier Fotograf, wobei ich sehr viel für Musiker, Theaterleute, Tänzer/-innen und mit besonderer Vorliebe für Privatkunden/-innen gearbeitet habe. Ich habe in einer Rockband mitgemacht, Theater und Kabarett gespielt und bin stets meinem geliebten Beruf treu geblieben, - wie meiner langjährigen Lebensgefährtin, die leider viel zu früh verstorben ist. Ich habe nicht so viel Geld gekriegt, wie ich verdient hätte, auch deutlich weniger als viele meiner Kollegen/-innen, war aber überaus glücklich damit, denn ich konnte frei arbeiten und habe eine Menge Spaß dabei erlebt. Ich war und bin ein unbequemer, unangepasster Querdenker, sage nicht bedenkenlos zu allem Ja und Amen, misstraue fertigen Konzepten für das Leben, pflege ausgiebig mein eigenständiges Denken und suche nach allen Infos, die ich kriegen kann, um mir ein wohlüberlegtes Urteil zu bilden. Politischen Systemen und ganz besonders Parteien stehe ich grundsätzlich mit tief verwurzeltem Misstrauen gegenüber, denn sie erstreben nur egomanische Machtansprüche. Den sogenannten "Volksvertretern" bringe ich zu 95% allein abgrundtiefe Verachtung entgegen, weil sie uneingeschränkt nur ihre Interessen aus Machtgier und persönlicher Selbstbereicherung vertreten, aber nicht die Interessen jenes Volkes, dem sie dienen, dessen Nutzen sie mehren sollen, wofür sie sehr gut bezahlt werden. Sie können von mir keinen Respekt erwarten, denn Respekt bekommt man nicht einfach so geschenkt, man muss ihn sich verdienen. Aber ich kann mir selbst bei intensivem Nachdenken keinen Grund vorstellen, warum z.B. bundesdeutsche "Volksvertreter" oder der meisten anderen europäischen Parlamente meinen Respekt verdienen sollten. Auch staatliche Institutionen können mein Vertrauen nicht erwarten. Ich pfeife auf die political correctness und habe kein Problem damit ehemaligen Weggefährten mit nachvollziehbarem Grund kräftig in den Arsch zu treten, wenn sie es verdient haben, bin dabei polarisierend und provokativ, parteiisch und rücksichtslos, - weil und wenn es nötig ist. Ich bin kein Deutscher - kein Ausländer - bekennender Europäer.

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