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Was Sie nicht gesehen haben müssen …

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… und eigentlich keinerlei Erwähnung wert ist, aber ich konnte irgendwie nicht widerstehen. Nobody is perfect …

Wetten dass in Erfurt Schnellzug in Richtung Wahnsinn

„Stell dir vor, es läuft „Wetten, dass..?“ und keiner schaut zu“ – allzuweit ist dieser Spruch nicht mehr von der Realität entfernt. Das gilt vor allem, wenn man sich den Trend vor Augen führt: Gähnen machende Langeweile und Inhaltlosigkeit, gepaart mit stillos hölzerner Moderation und Unverzichtbarkeit aller nur denkbaren Peinlichkeiten hat seit vielen Monaten einen Namen: Wetten dass … unter der Moderation von Markus Lanz, der absehbar nach dem endgültigen Ende und der letzten Quälsendung dieses Fernseh-Dinos so bald auf keinem Sender der bundesdeutschen Fernsehunterhaltung mehr einen Job bekommen dürfte. Es müssten mindestens 199 Jahre des Vergessens vergehen, ehe Markus Lanz für potenzielle Zuschauer wieder vorzeigbar würde, – und selbst dann würden zweifellos noch immer viele aufstöhnend sagen: Ach du meine Güte, der schon wieder …

Es gab eigentlich nichts zu sehen und zu erleben bei der drittletzten Ausgabe, sodass es vielleicht erwägenswert wäre, die tatsächlich letzten 2 Ausgaben zwar groß anzukündigen, aber nicht auszustrahlen, – die Zuschauer würden es faktisch kaum bemerken, denn schon jetzt war die Quote eher unterirdisch schlecht. Nur noch 5,48 Millionen Zuschauer sahen am Samstagabend Moderator Markus Lanz und Gäste wie Diane Keaton, Tokio Hotel oder Wolfgang Joop. Die Quote der drittletzten Ausgabe stellt damit den bisherigen Negativrekord für die seit 33 Jahren laufenden ZDF-Show dar. Ob sie auch beim ZDF denken: Hoffentlich ist es mit „Wetten, dass ..?“ bald vorbei! Hätte sich das ZDF nicht längst dazu entschlossen, mit der Unterhaltungsshow „Wetten, dass ..?“ Schluss zu machen, jetzt wäre es soweit. Es wäre weise gewesen, das Kapitel beizeiten zu schließen und den Niedergang nicht so langsam und quälend zu gestalten – quälend für die Zuschauer, für den Sender und für den Moderator Markus Lanz. Es reicht. Man muss keine knutschenden oder gelangweilten amerikanischen Schauspielerinnen mehr sehen, keine Wetten mit garantiertem Peinlichkeitsfaktor, keinen Moderator, der nicht weiß, wohin mit sich. Wahrscheinlich hatte selbst irgendeiner der Shopping-Sender deutlich mehr Zuschauer, denn die Kaufsucht nach Produkten, die eigentlich niemand braucht und vermisst, ist ja hinlänglich bekannt.

„Sehenswert“ waren einige der Protagonisten und sogenannten Wettpaten im Rahmenprogramm, z.B. Wolfgang Joop mit seinen scheinbar versteinerten Gesichtszügen wegen vielfacher Faceliftingoperationen und wahrscheinlich Botox-Injektionen, die ihn aussehen lassen wie ein miserabel gelungenes Pappmaschè seiner Person, wie eine Plasticpuppe, deren Gesichtszüge maskenhaft schlecht gestaltet wurden. Ich hegte nicht unbegründet die Befürchtung, dass mit jedem Wort von seinen Lippen plötzlich die gestraffte Gesichtshaut reißt und Blut und mageres Gesichtsfleisch dem Fernsehzuschauer vorgeführt werden. Der Modemacher ist schon rein optisch eine echte Zumutung.

Als wäre das aber noch nicht genug des Irrsinns gewesen, durfte dann noch Ralf Schmitz eindrücklich demonstrieren, wie schlecht es um den deutschen Humor bestellt ist. Über Strecken wirkte der Auftritt des Komikers wie eine Betroffenheitsstudie, mit der für ein Zappelphilipp-Medikament geworben wird. Ständig wartete man darauf, dass Lanz die dazu gehörende Wette ausrufen würde: Wetten, dass Ralf Schmitz in fünf Minuten mehr dummes Zeug brabbeln kann als ich in meiner gesamten Karriere?

Tokio-Hotel, eine ehemalige Teenie-Kultband, die sich schon vergeblich bei Dieter Bohlens DSDS in der Jury

Bill Kaulitz DSDS

und den dort auftretenden talentfreien Jaul- und Gesangsprotagonisten daran versuchte an die längst hoffnungslos untergegangene Karriere anzuknüpfen, war als Stargast angekündigt, – doch die Realität war dann doch sehr ernüchternd. Tom Kaulitz wirkte mit seinem Fusselbart wie die Vorhut der angedrohten IS-Terroristen in Deutschland und sein Bruder Bill Kaulitz wie ein zutiefst traumatisierter, lebensunfähiger und etwas durchgeknallter Soziopath, völlig unfähig zu irgendwelchen sozialen Kontakten zu anderen Menschen, reichlich tuntenhaft und bis zur Groteske durch Tattoos und Piercings verunstaltet. Ein Mensch, oder besser fast so etwas ähnliches wie ein Mensch, der mit sich selbst nicht mehr klarkommt, sich selbst hasst und nach 5 Jahren Bühnen- und Fanabstinenz nicht mehr weiß wer oder was er ist. Der kleine Dicke und der andere Milchbubi von Tokio Hotel fallen nicht weiter ins Gewicht. Die Kaulitz-Brüder schwingen wieder die Hedonismuskeulen. Das kommende Album ihrer Band Tokio Hotel, „Kings of Suburbia“, steht für den 3. Oktober an, ein schicksalsträchtiges Datum. Vielleicht sind Bewerbung und Singleauskopplungen – „Girl got a gun“ und „Love who loves you back“ – deshalb so schrill und aufmerksamkeitsheischend. Aber es war natürlich unumgänglich, dass sie ihr neues Album promoten incl. eines Musikvideos, das mit fragwürdigen Sexszenen überladen ist. Im Video zu „Girl got a gun“ tauchen masturbierende Stoffpuppen und mit Handfeuerwaffen schießende Fabelwesen auf, und auch „Love who loves you back“ ist, wenngleich es sich am Discosound bedient, auf den körperlichen Exzess ausgelegt: Während die anderen Bandmitglieder hin und wieder musizierend scheinbar eher versehentlich ins Bild geraten, bewegt sich Sänger Bill Kaulitz durch eine Diskothek, verteilt recht hochfrequent Zungenküsse und liegt am Ende in einem sich streichelnden Menschenhaufen. Ein Wink mit dem extra dicken Zaunpfahl: Nehmt mich wahr … Ich fühl mich einsam … ich fühl mich beschissen … Niemand liebt mich … Ich will aber geliebt werden, – die typischen Hilferufe eines Menschen, der an sich selbst gescheitert ist. Der offen zur Schau gestellte Hedonismus – das sind Bilder, deren Färbungen der Generation Selfie durchaus bekannt sind und die gar nicht so viel Reaktion auslösen. Anders beim Coverdesign der Single „Love who loves you back“, das durch geschickte, gestalterische Arbeit eine Computermaus wie eine stilisierte, von einer Hand gespreizten Vulva erscheinen lässt. Von Seiten der Medien wie auch der Fans ist Erstaunen und Empörung zu vernehmen. Sogar das Lager der Fans reagiert größtenteils ablehnend. Na ja, Sex sells eben immer, glauben die abgehalfterten Bühnenstars schamlos unverdrossen, mit der Botschaft an die ehemaligen Fans: Ihr wollt uns nicht, aber wir … wir wollen … wollen … wollen … wollen, vor allem an eure Kohle. Also kauft gefälligst unsere CD.  Alles erscheint ein wenig zu dick aufgetragen und gewollt, aber nicht gekonnt.

Megan Fox wirkte während der Sendung ausgesprochen distanziert und gelangweilt. So einen Abend hatte Erfurt einfach nicht verdient, muss aber jetzt eine ganze Weile in der Erinnerung damit leben. Dass Diane Keaton, die ein bisschen wirkte, als käme sie gerade vom weltberühmten Erfurter Vogelscheuchenwettbewerb, so ziemlich alles niederküsste, was sich ihr in den Weg stellte, spielte da schon keine Rolle mehr. Sie agierte wie eine reichlich überdrehte und auf öffentliche Resonanz gierende, herumknutschende Actrice und ehemalig bekannte Filmschauspielerin, die eigentlich keiner mehr sehen und erleben will, die ebenfalls dringend wieder nach Starruhm sucht und einfach nicht weiß, wo sie ihn finden soll.

Alles andere in dieser Samstagabend-Familienshow war und bleibt nicht weiter erwähnenswert.

Das müssen Sie wirklich nicht gesehen haben und wenn doch, mein aufrichtiges Beileid,  –  aber ich habe mich ja schließlich auch damit durch den Abend gequält, gefoltert und gelitten, nur um jetzt diesen dämlichen Artikel schreiben zu dürfen. Nobody is perfect …

siehe   http://www.spiegel.de/kultur/tv/wetten-dass-mit-markus-lanz-faellt-ins-rekord-quotentief-a-995432.html

http://www.oe24.at/tv/Tokio-Hotel-Comeback-bei-Wetten-dass/160174982

http://www.welt.de/print/wams/kultur/article132921534/Keiner-will-mehr-ein-Autogramm.html

http://www.oe24.at/tv/Tokio-Hotel-Comeback-bei-Wetten-dass/160174982

http://www.berliner-zeitung.de/musik/bill-und-tom-kaulitz-bei–wetten–dass——tokio-hotel-ist-die-liebe-meines-lebens-,10809182,28585916.html

http://www.stern.de/kultur/musik/tokio-hotel-bill-kaulitz-und-seine-band-danken-ihren-fans-2142806.html

http://www.tagesspiegel.de/kultur/das-neue-album-von-tokio-hotel-l-a-confidential/10791364.html

http://www.focus.de/kultur/musik/tokio-hotel-feiern-und-gefeiert-werden-die-neuen-tokio-hotel_id_4178213.html

http://www.derwesten.de/panorama/tokio-hotel-bei-wetten-dass-aimp-id9897581.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/tokio-hotel-kommen-mit-neuem-album-zurueck-13186330.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/finaler-rettungsschluss-fuer-wetten-dass-13190588.html

http://www.n-tv.de/leute/Tokio-Hotel-sind-zurueck-article13718961.html

http://www.sueddeutsche.de/medien/wetten-dass-in-erfurt-schnellzug-in-richtung-wahnsinn-1.2159069

 

Über grauwolfzauberer

Ich bin zweifellos kein pflegeleichter, unumstrittener Zeitgenosse. Wenn ich in den letzten Jahren gefragt werde, was ich beruflich mache, antworte ich meistens: Ich bin Zyniker - und boshaft bissiger Satiriker. Aber real war ich über viele Jahre Fotokünstler, jetzt allerdings im Rentnerstatus, bin immer noch Lyriker und Erzähler, was nicht häufig vorkommt, denn die meisten Literaten - und ich nehme diese Bezeichnung relativ ernst - sind entweder Erzähler oder Lyriker, selten beides. Ich habe viel veröffentlicht und immer noch mehr Ideen, als ich tatsächlich in Endform verfassen kann. So verfüge ich über ein riesiges Rohentwurfsarchiv, habe mir aber fest vorgenommen, das auf jeden Fall noch in diesem Leben durchzuarbeiten - und noch viel mehr zu veröffentlichen. Ich habe vor langer Zeit Kunst studiert, in Essen und Bremen, war dann ein paar Jahre in der Comercial Werbung tätig, bis mir endlich klar wurde, dass das nicht das war, was ich wirklich machen wollte, dafür habe ich nicht jahrelang Kunst / Fachbereich Fotografie studiert. So begann über kleine Umwege mein Leben als freier Fotograf, wobei ich sehr viel für Musiker, Theaterleute, Tänzer/-innen und mit besonderer Vorliebe für Privatkunden/-innen gearbeitet habe. Ich habe in einer Rockband mitgemacht, Theater und Kabarett gespielt und bin stets meinem geliebten Beruf treu geblieben, - wie meiner langjährigen Lebensgefährtin, die leider viel zu früh verstorben ist. Ich habe nicht so viel Geld gekriegt, wie ich verdient hätte, auch deutlich weniger als viele meiner Kollegen/-innen, war aber überaus glücklich damit, denn ich konnte frei arbeiten und habe eine Menge Spaß dabei erlebt. Ich war und bin ein unbequemer, unangepasster Querdenker, sage nicht bedenkenlos zu allem Ja und Amen, misstraue fertigen Konzepten für das Leben, pflege ausgiebig mein eigenständiges Denken und suche nach allen Infos, die ich kriegen kann, um mir ein wohlüberlegtes Urteil zu bilden. Politischen Systemen und ganz besonders Parteien stehe ich grundsätzlich mit tief verwurzeltem Misstrauen gegenüber, denn sie erstreben nur egomanische Machtansprüche. Den sogenannten "Volksvertretern" bringe ich zu 95% allein abgrundtiefe Verachtung entgegen, weil sie uneingeschränkt nur ihre Interessen aus Machtgier und persönlicher Selbstbereicherung vertreten, aber nicht die Interessen jenes Volkes, dem sie dienen, dessen Nutzen sie mehren sollen, wofür sie sehr gut bezahlt werden. Sie können von mir keinen Respekt erwarten, denn Respekt bekommt man nicht einfach so geschenkt, man muss ihn sich verdienen. Aber ich kann mir selbst bei intensivem Nachdenken keinen Grund vorstellen, warum z.B. bundesdeutsche "Volksvertreter" oder der meisten anderen europäischen Parlamente meinen Respekt verdienen sollten. Auch staatliche Institutionen können mein Vertrauen nicht erwarten. Ich pfeife auf die political correctness und habe kein Problem damit ehemaligen Weggefährten mit nachvollziehbarem Grund kräftig in den Arsch zu treten, wenn sie es verdient haben, bin dabei polarisierend und provokativ, parteiisch und rücksichtslos, - weil und wenn es nötig ist. Ich bin kein Deutscher - kein Ausländer - bekennender Europäer.

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