RSS-Feed

Die „existenzielle Schizophrenie“ und der „Terrorismus des dummen Geschwätzes“ im Vatikan

Veröffentlicht am
Die „existenzielle Schizophrenie“ und der „Terrorismus des dummen Geschwätzes“ im Vatikan

 

Vatikan-Flagge

“Freiheit ist das Recht, das zu sagen, was andere nicht gerne hören wollen …”

George Orwell

 

 

Ist der ungewöhnlich beliebte Papst lebensmüde?

Hat dieser bescheidene Mann aus Argentinien das wahrhaftige Christentum neu entdeckt und mit den Hofschranzen des Vatikan die demütige Geduld verloren?

Eines muss unmissverständlich klar sein, auch wenn jeglicher Widerspruch gegen päpstliche Entscheidungen in der Katholischen Kirche und im Besonderen im Vatikan absolut unerwünscht und tabu sind, denn die Position des Papstes spiegelt die Stellvertretung Gottes auf Erden wieder, – Widerspruch wäre somit Ungehorsam gegen Gott und den Katholizismus, ein unentschuldbares Sakrileg. Aber Papst Franziskus sollte sich auf massiven Widerstand der privilegienversessenen Kardinäle und Bischöfe, der konservativen Kirchenmänner aus allen Ländern der Menschheit vorbereiten und seine persönlichen Leibwachen verstärken, denn er wäre nicht der erste Papst, der von den autoritären und demokratiefernen Kirchenfürsten ermordet wurde. Der Widerstand gegen die geforderte neue Bescheidenheit ist schon jetzt mehr als deutlich in der Kurie (Verwaltung des Vatikan) und bei den unbescheidenen Statthaltern in den verschiedenen Diözesen, bei den Bischöfen und ihrer Prunk- und Machtsucht zu spüren.

siehe auch       https://belgarathblog.wordpress.com/2014/08/14/der-aufstand-des-hohen-katholischen-klerus-gegen-papst-franziskus/

https://belgarathblog.wordpress.com/2014/09/24/anklage-gegen-vatikanischen-kinderficker/

https://belgarathblog.wordpress.com/2014/10/05/der-zig-milliardenreichtum-des-vatikan/

Falls es einen wie auch immer gearteten Gott gibt, der besondere Pläne mit den Menschen hat, dann hat dieser Gott sich wirklich große Mühe gegeben, sein Interesse an uns nicht eine Sekunde erkennbar werden zu lassen. Es erschiene mir als überzeugter Atheist unhöflich, wenn nicht sogar respektlos, einen solchen Gott mit Gebeten zu behelligen. Aber ich fühle mich z.Zt. fast an den wortreichen Aufstand Martin Luthers erinnert, der ja bekanntlich ebenfalls den Purpurträgern unmissverständlich seine Kritik am herrschenden Katholizismus entgegen schleuderte. Deswegen werde ich mich nicht mit offenen Armen der Religion zuwenden, aber selbst mir, der ich Religionen – auch Pseudo-Religionen wie den Islam – kritisiere und dennoch toleriere, nötigt dieser Papst Franziskus mehr als nur Respekt und Anerkennung für seinen Mut ab, sich so unverblümt mit dem hohen Klerus anzulegen.

Papst Franziskus 02

Denn die Antwort dieser alten Männer und Menschenfeinde auf alles ist nicht Gott, sondern die Kirche, ihre Kirche, die ihnen öffentliches Ansehen und irdischen Wohlstand, ein angenehmes Leben verschafft. Sie beobachten sich wechselseitig voller Intrigen und Misstrauen, verbrennen sich gegenseitig, diese alten, lebensfernen Männer der Kirche, sie verfolgen sich voller Neid und begehen unvorstellbare Niederträchtigkeiten, deren kein Freund Gottes fähig wäre. Ich sehe das ein wenig wie der berühmte Albert Schweizer: Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er jeden Sonntag die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man täglich in eine Garage geht.   (Albert Schweitzer, dt. Theologe und Arzt, 1875-1965)

Papst Franziskus ist zweifellos bei den einfachen Menschen und Katholiken sehr beliebt, weil sie seit vielen Jahrhunderten zum ersten Mal das Gefühl haben, dass da einer die Stellvertretung Gottes auf sich genommen hat, der einer von ihnen ist, der ihre Leben versteht und ihre Sorgen, ihr Sehnen nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit, das den Papisten im Laufe der Jahrhunderte so völlig fremd geworden ist.

Aber vergessen wir dabei nicht den Klerus und seine mächtigen Strippenzieher der Macht im Vatikan, die noch immer ihr klerikales Netzwerk pflegen und großen Einfluss auf den Kurs „ihrer“ Kirche haben, Männer wie den Kölner Hassprediger Meisner oder den deutschen Protzbischof Tebartz van Elst, mit seinen Millionenveruntreuungen,

Bischof Mixa    imagesYM3BZ6O1

und auch nicht den eremetierten deutschen Papst Benedikt,

Benedikt 23

der nicht eine Sekunde wirklich Papst war, niemals Stellvertreter Gottes auf Erden, denn wäre er dies gewesen, hätte er menschlicher handeln und wirken müssen, noch besser christlich, was für einen katholischen Würdenträger seines Formates gar nicht realisierbar und noch weniger wünschenswert ist. Benedikt, der durch sein intrigantes Machtspiel zum Vorteil des Vatikan und der verlogen heuchelnden Kurie die Katholische Kirche im rasanten Abwärts gegen die Wand klatschte, woran sie bis heute schwer zu tragen hat. Diese erzkonservativen und anti-demokratisch autoritären Kirchengreise werden niemals zulassen, dass ihren Verbündeten und Gleichgesinnten die Macht aus den Händen, die Privilegien entzogen und wieder eine christliche Kirche der Menschheit etabliert wird.

Benedikt 27a

Eher kaufen sie sich einen gedungenen Mörder, wie das Mitglied der „Grauen Wölfe“ Ali Agca, der auf todsichere Weise diesen Papst Franziskus um sein Leben und seine Ziele bringt, ohne dass der Kurie und den Hofschranzen des Vatikan irgendeine Beteiligung oder Verschwörung nachzuweisen ist. Vielleicht wird es sogar wieder einmal der Öffentlichkeit als ein ganz normaler Todesfall ohne jegliches Fremdverschulden verkauft, früh genug, um alle angefangenen Reformen in der katholischen Kirche wieder im Sande verlaufen zu lassen. 

Papst Franziskus als vatikanischer Revoluzzer

Ein Papst redet undiplomatischen Klartext

Kritik an Kurie: Papst warnt vor „geistlichem Alzheimer“

Die Kurie reagiert mit passivem Widerstand auf Reformpläne des Papstes

Nach der Brandrede des Papstes: Das große Schweigen am Tag danach

Papst Franziskus wirft der Kurie geistliches Alzheimer-vor

Papst Franziskus rechnet mit der versteinerten Kurie ab

Eine überdeutliche schonungslose Kritik des Papstes an der Römischen Kurie

Dicke Luft und versteinerte Gesichter im Vatikan

Multiples unchristliches Charakterversagen im Vatikan

„Gier, Eitelkeit, Tratsch“ – Papst kritisiert Verwaltung des Vatikans

Franziskus liest in Weihnachtsansprache Kardinälen die Leviten

Der Papst warnt vor den 15 „Krankheiten“ der römischen Kurie

Eine gerechtfertigte Gardinenpredigt für die vatikanischen Hofschranzen

„Es lebe der Papst, nieder mit der Kurie“

the Judgement Day – Der Papst rechnet mit dem Vatikan ab

Der Papst geht mit der römischen Kurie hart ins Gericht

„Existenzielle Schizophrenie“

Der Papst staucht seine vatikanischen „Manager“ kräftig zusammen

Ein Sturm fegt durch die Kirchenführung

Papst Franziskus greift die Kurie scharf an

«Mentale Erstarrung» und «spirituelles Alzheimer»

Aus dem Vatikan kommen zur Vorweihnachtszeit zwei mächtige Paukenschläge: Erst fädelt Papst Franziskus in seiner unnachahmlich bescheidenen und stillen Art der Diplomatie die politische Annäherung zwischen Kuba und den USA ein, um das längst sinnlos gewordene Embargo gegen die Karibikinsel aufzulösen, – dann liest er nach seiner Rückkehr und einer kurzen Vorbereitungszeit den Hofschranzen und der intriganten, heuchelnden Kurie die Leviten wie einst der Mönch Martin Luther.

Die 1,2 Milliarden Katholiken auf der Welt hatten zumeist schon freundliche Bilanz gezogen mit ihrem lachenden, argentinischen „Papst Franziskus“, der seine uralte und schon lange nicht mehr zeitgerechte Kirche mit frischer Herzlichkeit und entwaffnender Bescheidenheit zu neuer Sympathie führte. Sie lobten ihn als „Papst der Herzen“, als „Meister der Demut“ oder als „Tangotänzer der Gutmütigkeit“. Doch kaum wollte man sich wohlgefällig mit Weihnachtsliedern unter die Christbäume zu seligen Weihnachtsfeiern zurückziehen, da setzte eben dieser Papst zu zwei katholischen Paukenschlägen an. Denn Franziskus ist – zum Entsetzen der zumeist Konservativen und reaktionär verknöcherten Kirchenfürsten im Vatikan – ein lächelnder Revolutionär, der mit eben diesem freundlichen Lächeln unangenehme Wahrheiten zu verkünden versteht.

ITALY-POPE-VESPERS

Zunächst gelingt ihm ein Friedens-Coup in einem Akt vatikanischer Diplomatie wie man ihn seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Er überredet Obama und Castro, eine der ältesten Staatsfeindschaften unserer Zeit zu beenden: Die Vereinigten Staaten und Kuba nehmen ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf, die USA lockern Sanktionen, Kuba öffnet sich. Washington und Havanna teilen der verblüfften Weltöffentlichkeit mit, dass der Papst bei der sensationellen Annäherung die zentrale Rolle gespielt habe. Die politische Friedensmission des Papstes ist ebenso einfach wie christlich: Haltet Frieden, reicht euch die Hände, vergebt Euren Feinden. Die halbe Welt ist vom kubanischen Weihnachtsfrieden so entzückt, dass es nun eine Bewegung gibt, Franziskus möge dafür den Friedensnobelpreis bekommen.

Kaum ins heilige Rom und den Vatikanstaat zurückgekehrt, setzt der Papst zum zweiten, diesmal selbst-kritischen Paukenschlag an: Anstatt einer gewohnt und fast schon traditionell gemütlichen Weihnachtsansprache zu Frieden und (kirchlicher) Einheit liest er seiner Kurie so donnernd die Leviten, dass die vatikanischen Fundamente Roms beben: Man täusche sich nicht. Franziskus ist nicht der Grüß-Onkel für die Beschaulichkeit. Stunden vor seiner Begegnung mit den „Unbekannten und Unsichtbaren“ kam er mit seinem vatikanischen Führungspersonal zusammen. Und sprach von all dem, was den vatikanischen „Laden“ verdunkelt. Im Gestus eines Arztes attestiert er dem Vatikan gleich 15 „Krankheiten“ – darunter „sich unsterblich fühlen“, „mentale Erstarrung“ und den „Terrorismus des Geschwätzes“. Manche Amtsträger der Kirche nähmen sich viel zu wichtig, ja es gebe eine „existenzielle Schizophrenie“ derer, die im Vatikan ein Doppelleben führen oder „geistliches Alzheimer“. Damit meint Franziskus die, die die Bindung an Christus vergessen haben. Dabei sprach er insbesondere von der „Krankheit der in sich abgeschlossenen Kreise“, die wie ein Krebsgeschwür seien. Die Vatikan-Verwaltung leide an „geistlichem Alzheimer“ und Machtstreben, monierte der 78-Jährige. Genauso schlimm sei die Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, die an ihrem Leben leiden.

Bischof Mixa 5

Kann das ein Chef machen? Seinen leitenden Mitarbeitern ziemlich überraschend Machtstreben und Arroganz, Eitelkeit und Herzlosigkeit vorwerfen? In der Beschaulichkeit der letzten Vorweihnachtsstunden? Da versemmelt man doch als Vorstandsvorsitzender seinen Top-Führungskräften die Heimeligkeit und den Stolz auf das Geleistete im zu Ende gehenden Jahr. Papst Franziskus hat es gemacht. Wenn man das nationale wie internationale Medienecho sieht, mag man sich ausmalen, welche Wirkung seine gepfefferte Rede bei seinen Zuhörern hinterlassen hat. Die geistlichen Herren, zumeist Kardinäle und Bischöfe, mögen sich vielsagend und schockiert mit versteinerten Gesichtern angeschwiegen haben. Schaut man einige Jahre zurück, dann widmete der Chef des Unternehmens katholische Kirche seine Rede einer grundlegenden Betrachtung über den Zustand der Welt. Mit seinen Mahnungen wird der Papst vielen aus der Seele sprechen – nicht nur im System Kirche. Aber er ist der oberste Chef dieses Unternehmens. Was mag da in ihm vorgehen? Die großen Skandale, das Bekanntwerden jahrzehntelanger sexueller Gewalt gegen Minderjährige, finanzielle Abgründe, Vatileaks, Kommunikationspannen – sie datieren doch eher in die Zeit seines Vorgängers, der sie selbst gewiss nicht alle verschuldet hatte. Und vor einigen Wochen erfuhr man mal wieder von Geldschieberei im Umfeld der bisherigen Vatikanbank. Aber jeder Spitzenmann ist für die Menschen in seinem Umfeld verantwortlich. Jedes Unternehmen ist nur gut, wenn es dem Chef gelingt, die Mitarbeiter mitzunehmen. Franziskus mag mit seiner Philippika den Frust oder leisen Zorn beim ein oder anderen Mitarbeiter steigern, aber er erhöht auch – Demut hin, Kraft des Gebets her – den Druck auf sich selbst. Wer Arroganz und Selbstherrlichkeit wahrnimmt bei Führungskräften, muss sie neu und anders aufrichten. Oder austauschen. Diagnose und Analyse sind das eine – Therapie das andere. Die Reform (nicht nur ein Reförmchen) der Kurie muss konkreter werden. Und im Oktober steht der zweite, wichtigere Teil der Familiensynode an. Da mag es vordergründig um Familie und Treue, um Sex und Moral gehen. Letztlich geht es jedoch darum, wie sich die katholische Kirche der Moderne stellt, ohne sich einfach nur dem Zeitgeist anzupassen. Franziskus, dieser konservative Reformer, weiß, dass diese Klärung anspruchsvoll werden wird. Und dass er sein Team mitziehen sollte.

Für 90 Euro gibt es die Taufe oder, je nach Bedarf, die Sterbesakramente. Pro Trauung verlangt der Pfarrer der Gemeinde Villa di Baggio – einem toskanischen Dorf bei Pistoia – 190 Euro. Damit seine Schäfchen nicht länger verdruckst fragen müssen, was sie ihm für dieses oder jenes Sakrament in die Hand drücken sollen, hat er in seiner Kirche eine Preisliste ausgehängt. „Nur als Richtwert“, sagt er, „ohne Verpflichtung“. Aber die Gemeinde müsse schließlich begreifen, dass sie die Kirche „unterstützen muss“. Die Gemeinde freilich hat sich lieber empört und dem Chef des Pfarrers in Rom einen bösen Brief geschrieben. Und der Papst hat sich richtig aufgeregt, wie man hört. „Widerlich“ findet Franziskus den Tausch „Sakramente gegen Geld“, der in vielen Gemeinden Italiens gängige Praxis ist, auch in Rom. Das sei nicht seine Kirche, sagt der Papst, er wolle eine ganz andere, „eine arme und demütige Kirche“. An der will er 2015 eifrig weiter bauen. Bei diesen Bauarbeiten könnte eines Tages auch die deutsche Kirchensteuer ins Blickfeld von Franziskus geraten. Denn zwischen der Zugspitze und der Insel Sylt ist das Geschäft Sakramente-gegen-Geld perfekt automatisiert. Etwa fünf Milliarden Euro bringt die Kirchensteuer der katholischen Kirche im Jahr ein. Und wenn jemand keine Kirchensteuern mehr zahlen, aber trotzdem gläubiger Christ und Mitglied der Gemeinde bleiben will, dann sagen Kirche und staatliche Justiz übereinstimmend: Das geht nicht. Ohne Kirchensteuer keine Sakramente – das verkündeten die deutschen Bischöfe 2012 per Dekret. Ist das die „arme und demütige“ Kirche, die der Papst im Blick hat?

Der Kirchen-Umbau fange jetzt erst richtig an, sagen manche, die den Papst näher kennen. Was und wie er vieles ändern will, das wisse er vermutlich selbst noch nicht genau. Aber er werde viele überraschen. Manche wohl auch bitter enttäuschen. Tatsächlich sind seine Chancen gestiegen, die Kirche in seinem Sinne umzukrempeln. Denn führende Vertreter der konservativen Garde hat er entmachtet. Allen voran seinen lautesten Kritiker, den US-Kardinal Raymond Leo Burke. Der fand die meisten Debatten der Synode ärgerlich und überflüssig, der Papst sorge nur für Verwirrung in der Gemeinde. Der Kirche fehle Führung. Burke, bislang Präfekt des obersten vatikanischen Gerichtshofes, darf nun den Malteserorden kommandieren. Den mächtigen Kirchenfürsten Tarcisio Bertone, lange Zeit die Nummer zwei im Kirchenreich und ein gewiefter und gefürchteter Intrigant, schickte er in den Ruhestand. Selbst den Chef der Schweizergarde hat er ausgetauscht, weil der Amtsinhaber ihm, wie es hieß, zu martialisch auftrat. Stattdessen übernehmen vergleichsweise junge Männer, die nicht in der römischen Binnenwelt der Kurie, sondern „draußen“ Karriere gemacht haben, wichtige Positionen. Ein typisches Beispiel ist der neue Vatikan-Außenminister Paul Richard Gallagher. Der Brite ist „nur“ 60 Jahre alt, hat in Asien, in Afrika, in Lateinamerika und zuletzt in Australien gelebt und gearbeitet.

Der Papst ging in seiner Ansprache auf das ein, was die Leitung der Weltkirche behindere, ihr schade und den Zusammenhalt in der Kurie beeinträchtige. Dabei warnte er vor Eitelkeit und vor Mangel an Selbstkritik. Insgesamt fünfzehn dieser geistlichen „Krankheiten“ zählte der Papst auf. Als besonders gravierend bezeichnete er die „Krankheit der existenziellen Schizophrenie“: „Darunter leiden diejenigen, die ein Doppelleben führen“, betonte Franziskus. Diese Krankheit belaste Personen, die den pastoralen Dienst aufgeben und sich lediglich mit Bürokratie auseinandersetzten und den Kontakt zu den Menschen verlören. Franziskus kritisierte die „Krankheit einer mentalen und spirituellen Erstarrung“, die dazu führe, die notwendige menschliche Empathie zu verlieren. Unter der „Krankheit der Rivalität und Eitelkeit“ litten diejenigen, die Titel und Auszeichnung suchten und nur an sich selbst glaubten. „Die Kurie ist dazu aufgerufen, sich zu verbessern und in Gemeinschaft, Heiligkeit und Weisheit zu wachsen“, forderte der 78-Jährige.

Papst Franziskus 03

Schwer wiegt nach der Einschätzung des Papstes das Manko der fehlenden Pastoral. Wer nicht als Seelsorger tätig sei, schaffe sich eine Parallelwelt, die nichts mehr mit Christus zu tun habe. Deutlich kritisierte Franziskus „Geschwätz“, das Herabsetzen des Anderen. Man „töte kaltblütig den Ruf des Nächsten“, um selbst besser dazustehen. Es sei eine weitere Krankheit, sich für unsterblich und unersetzbar zu halten, fügte der Heilige Vater hinzu. „Die Friedhöfe sind voll von Menschen, die sich für unsterblich und unersetzbar hielten“, so der Papst. Franziskus warnte zudem vor dem übermäßigen Ansammeln von Gütern, der Härte und der Strenge gegenüber dem Nächsten. Bei dem Weihnachtsempfang in der Audienzhalle am Montag entschuldigte sich Papst Franziskus bei seinen Mitarbeitern und deren Familien für negative Vorkommnisse im Vatikan. Am Schluss seines sprach Franziskus von „Verfehlungen, meinerseits und vonseiten der Mitarbeiter, und auch von einigen Skandalen, die sehr schmerzen: Vergebt mir“. Es war das erste Mal seit Jahrhunderten, dass ein Papst nicht nur seine engsten Mitarbeiter aus der Kurie, sondern alle seine Angestellten und ihre Familien zu einem weihnachtlichen Treffen eingeladen hatte. Franziskus dankte den „Unbekannten und Unsichtbaren“, die im Vatikan arbeiten. Dabei nannte er „die Gärtner, die Putzleute, die Portiere, die Abteilungsleiter, die Liftführer, die Sachbearbeiter und viele, viele andere“.

Religionen mittel

Die Ansprache ist keine leise Ermahnung, sie ist ein Donnerschlag. Denn die Kritik kommt massiv und sie kommt von ganz oben. Die Kurie als pathologisch zu kritisieren, war bislang Ketzern und Kirchenfeinden vorbehalten. Nun kommt sie direkt vom Papst, und dann auch noch zu Weihnachten! Franziskus wollte mit diesem Aufschrei gehört werden – und das Echo ist entsprechend global. Einige Kirchenoffizielle sind regelrecht schockiert: „Das erinnert an Luthers Thesen“, heißt es. Doch Franziskus macht schon seit Monaten keinen Hehl daraus, dass er Missstände in der Kurie beklagt und umfassende Reformen einfordert. Schon zu Ostern, nach der Besichtigung einer Kardinals-Wohnung, hatte Franziskus im Petersdom allen „feisten, prunksüchtigen und eingebildeten“ Geistlichen ein Leben empfohlen, in dem „die Armut ihre Schwester“ sei. Das lasen viele in Rom als Kritik am Netzwerk des Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone, den Franziskus in den Ruhestand geschickt hatte, der sich gleichwohl zwei Luxuswohnungen mit zusammen 600 Quadratmetern zusammenlegen ließ – zehnmal so viel wie der Papst belegt. Der Papst hat nicht ohne Grund einen Rat aus acht Kardinälen eingesetzt, der Reformen erarbeiten soll. Die Krankheits-Rede wirkt nun wie ein Auftakt zu einem Jahr der Veränderungen. Und er warnt die Reformunwilligen unmissverständlich: „Eine Kurie, die nicht besser werden will, ist ein kranker Körper“, und weiter: „Ein Besuch auf dem Friedhof kann uns helfen, die Namen all der Personen zu sehen, die glaubten, unersetzbar zu sein.“ Franziskus fordert vor den Ohren der Weltöffentlichkeit von den leitenden Angestellten im Vatikan Umkehr und Buße, sowie Selbstkritik, wenn es um Eitelkeit, Geschwätzigkeit und übertriebene Unterwürfigkeit geht. Scharf kritisiert er das Ansammeln von Gütern, sowie den Rigorismus gegenüber dem Nächsten. Die „Krankheiten“ seien eine Gefahr für jeden Christen, aber sie zu benennen und sich dessen bewusst zu sein sei bereits der erste Schritt zur Besserung.

Papst Franziskus 07

Nun werden Sie als Leser/in nicht gleich nervös und machen Sie bitte den Mund zu. Keine Sorge, ich bin und bleibe ein überzeugter Atheist und werde in meinem Leben wohl kein Sympathisant der katholischen Kirche werden. Aber Mut zu Veränderungen in einem erstarrten und verkommenen System kaltherziger Machtausübung findet immer meine Zustimmung und meine Anerkennung.

Die geforderte Bescheidenheit lebt Franziskus mit gutem Beispiel vor. Seine Kreuze sind aus Holz und Eisen, Goldgepränge und diamantenbesetzte Kelche sind ihm fremd. Er fährt mit uralten Kleinwagen, läuft in ausgelatschten Tretern umher und lebt ansonsten wie ein Mönch. Der apostolische Palast, wo seit dem Hochmittelalter alle Päpste wohnen, ist ihm zu groß. Er meidet jeden Prunk und setzt auf Askese. Sein Name des Armutspredigers ist Programm. Franziskus ist ein Mann der Entsagung. Doch nun wird er wohl auch ein Papst der Veränderung. Er schneidet alte Zöpfe der zeremoniösen Amtskirche ab, kürzt Zahlungen und Apanagen an Funktionäre, er entlässt den korruptionsverdächtigen Leiter der Güterverwaltung und reformiert die Vatikanbank radikal. Außerdem beendet er die wuchernde Vergabe päpstlicher Ehrentitel. Das alles folgt einer Idee, eine Kirche der Demut zu bauen. Die Kirche habe vor allem das Evangelium zu verkündigen, den Schwachen zu helfen und Frieden zu stiften. Damit begeht die katholische Kirche dieses Weihnachtsfest in reformatorischer Vorahnung. An einer anderen Stelle fühlt sich  die Zeitung „Il Fatto Quottidiano“ an den deutschen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller erinnert – als der Papst die Strenge und Härte geißelte, mit der manche ihre Nächsten behandeln. Und während der Papstrede wollen Beobachter auffällig viele versteinerte, mürrische Gesichter im Publikum entdeckt haben.

Es war eine schonungslose Diagnose des Papstes. Auch 20 Monate nach seiner Wahl trifft der Papst im Vatikan auf Menschen, die ein Doppelleben führen, die sich in die Verwaltungsarbeit stürzen, aber geistlich verkümmern, die nach Ehre, Titeln und Schlagzeilen trachten, aber nicht nach dem Besten der Kirche. Franziskus nennt keine konkreten Fälle und schließt sich selbst nicht aus. Doch wenn der Papst die Seilschaften im Vatikan kritisiert oder die Karrieristen im Priestergewand, dann gibt es auch dafür sehr konkrete Anhaltspunkte in Rom. Die skandalösen Zustände, die zum Rücktritt von Benedikt XVI. geführt haben, scheinen fortzubestehen, auch wenn mit dem Papst aus Argentinien ein anderer Wind im Vatikan weht. Franziskus will die Kurie reformieren. Sie soll stärker einer modernen Regierung denn einem barocken Hofstaat gleichen. Ganz wichtig ist finanzielle Transparenz. Künftig müssen alle Einrichtungen des Vatikan ihre Bilanzen offenlegen. Schließlich geht es um Dezentralisierung. Rom muss nicht alles entscheiden, Kompetenzen sollen in die Ortskirchen zurückverlagert werden. So eine umfassende Reform stößt natürlich auf Widerstand.

Papst Franziskus 06

Nach der Rede kommt das Schweigen. Kein hochrangiger Kurienmitarbeiter, kein im Vatikan aktiver Kardinal will auf die Brandrede des Papstes antworten. Kritik am Papst verbieten sich aus Loyalitätsgründen. Und so ist es nur ein Kardinal im Ruhestand, der ganz vorsichtig versucht, das, was da gestern passiert ist, einzuordnen. Giovanni Lajolo, ehemaliger Nuntius in Deutschland, sagt in der Turiner Zeitung „Stampa“: So etwas habe es noch nie gegeben. Der Austausch von Weihnachtswünschen zwischen Papst und Kurie sei eher eine protokollarische Angelegenheit. Zum ersten Mal verlange nun ein Papst von seinen Kardinälen eine Gewissenserforschung. „Franziskus fordert uns auf, unser Verhalten und unsere Schwächen zu reflektieren“, sagte Lajolo. Dem Papst ginge es also nicht so sehr um große Strukturreformen, um Organigramme und Posten, sondern um die innere Einstellung seiner Mitarbeiter, meint auch Pater Bernd Hagenkord, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan. „Ich glaube, es geht wirklich um eine geistliche Haltung. Selbstverständlich müssen sich viele Leute an die Nase fassen, ich als erstes. Da sind alle gemeint, die Verantwortung tragen, nicht nur die Kardinäle. Alle müssen sich die Frage stellen: Warum mache ich das eigentlich? Hat das was mit Jesus Christus zu tun? Oder geht es nur um mich selber? Das ist die Frage die alle 15 Punkte vereint.“

Kurienmitarbeiter heucheln Loyalität, kritisieren aber hinter vorgehaltener Hand die Marschrichtung des Papstes. Andere halten still und hoffen, dass der Spuk bald ein Ende hat. Es sind die Beharrungskräfte, die in jedem Apparat wirken, der einem Reformprozess unterzogen wird. So gesehen wird aus der Weihnachtsansprache des Papstes ein Machtwort. Franziskus geht es nicht um Strukturreformen und Organigramme, sondern um die innere Einstellung seiner Mitarbeiter. Jeden, der im Vatikan nach Ruhm, Macht und Vermögen strebt, hält er für fehl am Platz. Gleichzeitig ist diese gründlich vorbereitete und ohne große Emotionen vorgetragene Rede auch ein Hilferuf. Der Papst braucht bei seiner Reform die Unterstützung der Weltkirche. So beliebt der Pontifex in weiten Teilen der Kirche, ja sogar darüber hinaus ist, so unpopulär scheint er hinter den Mauern des Vatikan zu sein. Viele Kardinäle verübeln dem Papst den demonstrativen Bruch mit den Traditionen, das hohe Reformtempo und die gezielte Missachtung der Hierarchien.

Am Tag nach der Weihnachtsansprache des Papstes an die Kurie, die zu einer veritablen Brandrede geraten war, herrschte im Kirchenstaat betretenes Schweigen: Niemand mochte die von Franziskus geübte Kritik kommentieren. Umso eindeutiger meldeten sich die Vatikanexperten zu Wort. Tenor: Dass der Papst mit der Kurie derart brutal ins Gericht geht, sei kein gutes Zeichen. In der Tat ist es offensichtlich, dass Franziskus bei der Umsetzung seiner Reformen zunehmend auf passiven Widerstand, auf eine Mauer wie aus Gummi stößt. In Italiens Zeitungen wird am Tag danach vor allem gemutmaßt, wen der Papst denn konkret mit seiner Brandrede angesprochen haben mag. Offensichtlich ist die Anspielung auf einen Umzug. Franziskus erinnerte an die vollen Umzugswagen von Geistlichen, wo doch bekannt sei, dass nichts Materielles ewigen Bestand und das Leichenhemd keine Taschen habe. Der ehemalige Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ist gerade in ein 500 Quadratmeter großes Penthouse im Vatikan gezogen. Wörtlich sagte Franziskus: „Das ist die Krankheit derer, die ein Doppelleben führen, Ergebnis einer Heuchelei des Mittelmaßes und der fortschreitenden geistlichen Leere, die akademische Titel oder Abschlüsse nicht füllen können. Diese Krankheit betrifft vor allem diejenigen, welche die Pastoral aufgegeben haben und sich auf Verwaltung beschränken und so den Kontakt mit der Wirklichkeit verloren haben, mit konkreten Menschen.“

Angesichts dieser harschen Anklage des Pontifex beschleicht den Corriere della Sera die „schreckliche Frage“, wie sehr der Papst innerhalb der Kurie inzwischen isoliert sei. Sein Wunsch, statt im pompösen apostolischen Palast im bescheidenen Gästehaus Santa Marta zu wohnen, sei möglicherweise „zweischneidig“: Die symbolisch-räumliche Abgrenzung vom Hofstaat begünstige die Bildung einer feindlichen Parallelwelt, die die Reformen torpediere. Es gebe Leute in der Kurie, die bloß darauf warteten, bis das Pontifikat zu Ende gehe – und mit ihm die Ära der Reformen.

Williamson Cover

Seit Franziskus‘ Amtsantritt vor zwei Jahren ist Bewegung in Fragen der kirchlichen Lehre gekommen. Die Familiensynode im Oktober hat sich mit heißen Eisen befasst wie Scheidungen, Sexualmoral, Homosexualität. Dabei gab es heftige Debatten und offene Streitgespräche. Es werden nicht nur etablierte Strukturen infrage gestellt, sondern auch Grundsätze der kirchlichen Lehre. Während das Zweite Vatikanische Konzil in den 1960er-Jahren drei Jahre Zeit hatte, um Reformen zu diskutieren, soll die Familiensynode schon im kommenden Oktober zu Ergebnissen kommen. Der Papst drückt aufs Tempo, weil ihm der Bedeutungsverlust der katholischen Kirche bewusst ist. Das Weihnachtsfest hat für immer weniger Menschen eine religiöse Bedeutung, vielmehr wird es als Familienfeier wahrgenommen. In Lateinamerika sind Evangelikale auf dem Vormarsch. Dieser Papst hat Hoffnungen geweckt, er hat sich bisher aber nicht durch- und noch nichts umgesetzt. In Rom ist ein Machtkampf im Gang. Ob Reformer oder Beharrungskräfte reüssieren, wird das nächste Jahr zeigen.

siehe      http://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Der-Papst-als-Revolutionaer-article14208761.html

http://diepresse.com/home/panorama/religion/4625549/Kritik-an-Kurie_Papst-warnt-vor-geistlichem-Alzheimer

http://www.deutschlandfunk.de/kritik-an-der-kurie-der-papst-braucht-verbuendete.720.de.html?dram:article_id=307088

http://derstandard.at/2000009764628/Ein-Revoluzzer-im-Vatikan

http://derstandard.at/2000009765429/Kurie-reagiert-mit-passivem-Widerstand-auf-Reformplaene-des-Papstes

http://www.tagesschau.de/ausland/vatikan-121.html

http://www.tagesschau.de/ausland/reaktionen-auf-papst-kritik-101.html

http://www.dw.de/kommentar-sch%C3%B6nen-gru%C3%9F-vom-chef/a-18148161

http://www.faz.net/aktuell/politik/vatikan-papst-franziskus-wirft-kurie-geistliches-alzheimer-vor-13337400.html

http://www.fr-online.de/politik/katholische-kirche-papst-franziskus-rechnet-ab,1472596,29412652.html

http://www.srf.ch/news/international/ueberdeutliche-kritik-des-papstes-an-der-roemischen-kurie

http://www.ksta.de/politik/dicke-luft-im-vatikan-papst-franziskus-spricht-von–spirituellem-alzheimer-,15187246,29405758.html

siehe auch Kommentar                http://www.ksta.de/debatte/kommentar-zur-papst-kritik-multiples-charakterversagen-im-vatikan,15188012,29411940.html

http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article135675821/Gier-Eitelkeit-Tratsch-Papst-kritisiert-Verwaltung-des-Vatikans.html

http://www.sueddeutsche.de/panorama/weihnachtsansprache-von-papst-franziskus-gerechte-schelte-fuer-den-hofstaat-1.2278125

http://www.shz.de/nachrichten/deutschland-welt/panorama/nach-franziskus-kritik-es-lebe-der-papst-nieder-mit-der-kurie-id8529751.html

http://www.rp-online.de/panorama/ausland/geistliches-alzheimer-papst-warnt-vor-15-krankheiten-der-kurie-aid-1.4757412

http://www.krone.at/Welt/Papst_Geistlicher_Alzheimer_im_Vatikan-Franziskus-Wutrede-Story-432357

http://www.welt.de/print/welt_kompakt/article135675735/Papst-rechnet-mit-dem-Vatikan-ab.html

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.papst-franziskus-papst-geht-mit-roemischer-kurie-hart-ins-gericht.0e3bc796-e9e5-4f24-ac2d-51ef5a49fd74.html

http://bazonline.ch/ausland/europa/Franziskus-staucht-seine-Manager-zusammen/story/23716511

http://www.derwesten.de/politik/papst-greift-die-kurie-scharf-an-aimp-id10172812.html

http://www.zeit.de/gesellschaft/2014-12/vatikan-papst-franziskus-krankheiten-kurie

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/kirche-unter-franziskus-der-papst-und-die-fragen-des-lebens-a-1007784.html

http://www.focus.de/politik/ausland/papst/15-krankheiten-der-kurie-papst-vatikanverwaltung-leidet-an-existenzieller-schizophrenie_id_4363539.html

http://www.stern.de/panorama/katholische-kirche-papst-franziskus-wirft-kurie-spirituelles-alzheimer-vor-2161900.html

http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEKBN0K01AR20141222

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Panorama/d/5902156/papst-franziskus-geisselt–geistliches-alzheimer-.html

http://www.nzz.ch/international/europa/mentale-erstarrung-spirituelles-alzheimer-1.18449566

Opus Dei 10

Über grauwolfzauberer

Ich bin zweifellos kein pflegeleichter, unumstrittener Zeitgenosse. Wenn ich in den letzten Jahren gefragt werde, was ich beruflich mache, antworte ich meistens: Ich bin Zyniker - und boshaft bissiger Satiriker. Aber real war ich über viele Jahre Fotokünstler, jetzt allerdings im Rentnerstatus, bin immer noch Lyriker und Erzähler, was nicht häufig vorkommt, denn die meisten Literaten - und ich nehme diese Bezeichnung relativ ernst - sind entweder Erzähler oder Lyriker, selten beides. Ich habe viel veröffentlicht und immer noch mehr Ideen, als ich tatsächlich in Endform verfassen kann. So verfüge ich über ein riesiges Rohentwurfsarchiv, habe mir aber fest vorgenommen, das auf jeden Fall noch in diesem Leben durchzuarbeiten - und noch viel mehr zu veröffentlichen. Ich habe vor langer Zeit Kunst studiert, in Essen und Bremen, war dann ein paar Jahre in der Comercial Werbung tätig, bis mir endlich klar wurde, dass das nicht das war, was ich wirklich machen wollte, dafür habe ich nicht jahrelang Kunst / Fachbereich Fotografie studiert. So begann über kleine Umwege mein Leben als freier Fotograf, wobei ich sehr viel für Musiker, Theaterleute, Tänzer/-innen und mit besonderer Vorliebe für Privatkunden/-innen gearbeitet habe. Ich habe in einer Rockband mitgemacht, Theater und Kabarett gespielt und bin stets meinem geliebten Beruf treu geblieben, - wie meiner langjährigen Lebensgefährtin, die leider viel zu früh verstorben ist. Ich habe nicht so viel Geld gekriegt, wie ich verdient hätte, auch deutlich weniger als viele meiner Kollegen/-innen, war aber überaus glücklich damit, denn ich konnte frei arbeiten und habe eine Menge Spaß dabei erlebt. Ich war und bin ein unbequemer, unangepasster Querdenker, sage nicht bedenkenlos zu allem Ja und Amen, misstraue fertigen Konzepten für das Leben, pflege ausgiebig mein eigenständiges Denken und suche nach allen Infos, die ich kriegen kann, um mir ein wohlüberlegtes Urteil zu bilden. Politischen Systemen und ganz besonders Parteien stehe ich grundsätzlich mit tief verwurzeltem Misstrauen gegenüber, denn sie erstreben nur egomanische Machtansprüche. Den sogenannten "Volksvertretern" bringe ich zu 95% allein abgrundtiefe Verachtung entgegen, weil sie uneingeschränkt nur ihre Interessen aus Machtgier und persönlicher Selbstbereicherung vertreten, aber nicht die Interessen jenes Volkes, dem sie dienen, dessen Nutzen sie mehren sollen, wofür sie sehr gut bezahlt werden. Sie können von mir keinen Respekt erwarten, denn Respekt bekommt man nicht einfach so geschenkt, man muss ihn sich verdienen. Aber ich kann mir selbst bei intensivem Nachdenken keinen Grund vorstellen, warum z.B. bundesdeutsche "Volksvertreter" oder der meisten anderen europäischen Parlamente meinen Respekt verdienen sollten. Auch staatliche Institutionen können mein Vertrauen nicht erwarten. Ich pfeife auf die political correctness und habe kein Problem damit ehemaligen Weggefährten mit nachvollziehbarem Grund kräftig in den Arsch zu treten, wenn sie es verdient haben, bin dabei polarisierend und provokativ, parteiisch und rücksichtslos, - weil und wenn es nötig ist. Ich bin kein Deutscher - kein Ausländer - bekennender Europäer.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: