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Es gibt solche … und solche …

Veröffentlicht am
Es gibt solche … und solche …

… aber meistens sind es solche …

Es ist ein absoluter Tiefschlag, eine regelrechte Vernichtung meines Lebenswerkes, die mich als Nachricht im Krankenhaus erreicht hat. Natürlich hängt das auch damit zusammen, dass ich von einem komaartigen Zustand in den nächsten stürze, selten ansprechbar und kommunikationsfähig bin, da diese Zustände mehr als 20 Stunden andauern. Aber ich habe meine Lage dennoch so eingeschätzt, dass ich noch immer der Herr über mein Restleben bin, dass ich entscheide, was damit anzufangen ist,  –  und nicht andere.

Angefangen hat aber alles mit dem vergeblichen Versuch mich aus meiner Wohnung zu kündigen, weil ich angeblich nicht mehr in der Lage wäre für meinen geregelten Alltag zu sorgen. Meine Vermieter Walfried B. und Peter W. verfolgten allerdings einen gänzlich anderen Plan und können sehr skrupellos werden, wenn man ihnen ganz offen sagt, was Sache ist. Denn sie halten sich für nahezu unfehlbar, machen alles richtig und haben  dennoch von vielem keinerlei Ahnung. Aber sie sind stets an Geld und Maximierung der Mieteinnahmen geradezu fanatisch interessiert. Dass das Wohnhaus in einem miserablen Zustand ist, dass es vom Keller bin in alle Etagen Schimmelprobleme gibt, stört sie nicht,  –  denn sie wohnen weit weg in einem wunderschönen Haus im nahen Neuss.

Angeleitet wurden sie von einer Verordnung über die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen in privaten Wohnungen, mit einer Standardmiete nicht über 400.-Euro plus Nebenkosten und einem einmaligen Zuschuss für die Bereitstellung in Höhe von 2000,-Euro. Dazu muss man wissen, dass die Stadt Düsseldorf in jeder verfügbaren Bruchbude und zahlreichen leerstehenden Gebäuden, ja selbst in stillgelegten Fabriken bereits Tausende Flüchtlinge eingepfercht hatte, aber feststellen musste, dass die Kapazitäten nicht reichten. Hinzu kamen die zahlreichen beheizbaren Zelte im ganzen Stadtgebiet. So entschloss man sich im Stadtrat zu dieser Verordnung, um Hausbesitzer für eine Vermietung zu interessieren,  –  das nicht nur in Düsseldorf, sondern in vielen Städten.

Schon sehr bald aber berichteten gleich mehrere Politmagazine über den Missbrauch dieser Verordnungen im gesamten Bundesgebiet. Alte und ungeliebte Mieter wurden mit fadenscheinigen Begründungen aus ihren Wohnungen gekündigt und Kriegsflüchtlinge eingemietet. Offenbar hatten sich die Haus- und Grundbesitzervereine einige sehr kluge und durchdachte Strategien ausgedacht, um sozial ohnehin ausgegrenzte Mieter aus ihren Wohnungen hinauszudrängen. Die gaben sie offenbar detailliert an ihre Mitglieder weiter. Klagen vor dem Amts- und Landgericht gegen die Kündigungen hatten nur ausnahmsweise Erfolg. So kamen in dringend renovierungsbedürftigen Wohnungen auf einmal 3-4 alleinreisende Kriegsflüchtlinge unter, mit einer niedrigen Miete von jeweils 375 Euro. Aber bei 3 x 375 Euro machte das plötzlich 1125.-Euro Mieteinnahme gegenüber der vorherigen Miete von 620.-Euro.

Eine Mietsteigerung von fast 100%, manchmal auch noch mehr.

So hatte sich der Flüchtlingsrat NRW das nie vorgestellt und zeigte sich öffentlich über diese Praxis empört. Aber Unterbringungsnot macht erfinderisch und kommunale Behörden blind gegen solchen Mietwucher. Hauptsache, die Flüchtlinge waren gut untergebracht.

Der Plan mich für unfähig über das eigene Leben zu handeln schlug fehl, denn eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes stellte fest, dass ich sehr wohl, wenn auch mit unbestreitbaren Schwierigkeiten, meinen Alltag gut managen kann.

Damit war der Krieg gegen mich inoffiziell eröffnet.

Ich will hier jetzt nicht alles ausführen, aber als ich in die Klinik kam, wurde der Weg zu meiner Wohnung wesentlich freier als je zuvor. Wann und wie das alles gemanagt wurde, kann ich nicht einmal mit Sicherheit sagen. Aber ich weiß, dass ich kein Einzelfall bin, keine unerwünschte Ausnahme. Zugegeben, mein Gesundheitszustand ist noch immer sehr schlecht, es besteht kaum Aussicht auf Stabilisierung.

Jetzt steht das Ergebnis.

Ich werde medizinisch betreut, meine Wohnung wurde notgedrungen aufgelöst. Da keine erkennbare Aussicht bestand, dass ich meine gesamte Habe jemals wieder nutzen könnte, wurde kurzerhand alles an einen Entrümpelungsservice verramscht.

Und ich meine alles,  –  nicht nur die Möbel, sondern auch meine geliebten Bücher, immerhin mehr als 300 Stück, meine malerischen Kunstwerke, meine fotografischen Kunstwerke, meine kompletten Kameraausrüstungen mit wertvollem Zubehör, sogar meine Kleidung, eine wunderschöne orientalische Lampe, meine Kücheneinrichtung und alles andere, was sich noch zu Geld machen ließ.

Selbstverständlich hätte man mich gerne gefragt, ob ich die Sachen einlagern lassen will, bis es mir vielleicht besser geht. Aber ich war nicht ansprechbar, konnte mich nicht dazu äußern und so wurden Entscheidungen getroffen. Auch meine PC´s sind weg, mein gesamtes fotografisches Lebenswerk mit mehr als einhunderttausend Fotos, nebst meinen tausenden von literarischen Werken. Verramscht auch meine über 800 DVD´s (ich bin ein ausgewiesener Filmfan) und mindestens ebenso viele Musk CD´s, teilweise mit unwiderbringlichen Aufnahmen und Werken verschiedenster Art, von Ethno-Musik – Deutsch-Rock – Klassische Musik – Beatles, Rollings Stones und den großen Rock-Giganten der letzten 30 Jahre. Weg auch zahlreiche Erinnerungsstücke, an meine verstorbene Lebensgefährtin, an meinen ehemaligen Dojo Sensei Oganoshi, der mir zwei wunderschöne Samuraischwerter geschenkt hatte. 90% meines Lebens einfach zum verramschen freigegeben, da sich angeblich – und leider auch wahrscheinlich – keine Perspektive für mein Leben und besonders mein Überleben anbot.

Alles weg und nicht mehr zurück zu holen.

Immerhin ging der Plan meiner Vermieter nicht auf, denn inzwischen waren nicht nur die Flüchtlingszahlen deutlich gesunken, die Verordnung über die Vermietung von Privatwohnungen außer Kraft gesetzt. Es dauerte zu lange, bis die Herren B. und W. ihr Komplott durchsetzen konnten.

Aber auch damit nicht genug. Mein Mitbewohner in der WG, ein Russe mit dem Namen Aleksandr B. bediente sich nicht nur reichlich an meinem privaten Besitz, sondern auch am Geld aus meinem Schreibtisch. Keine gigantischen Summen, aber so etwa 3000.-Euro sind für einen Rentner wie mich viel Geld.

Jetzt stehe ich da  – Nein, das stimmt nicht, im Moment sitze ich vor meinem Laptop und  ansonsten liege ich im Krankenbett  –  ohne Wohnung, ohne alles, was mein Leben ausmachte.

Ich habe nicht einmal mehr die Kraft vor Wut zu heulen.

045 - 3

Es gibt eben solche … und solche … aber meistens sind es solche.

Über grauwolfzauberer

Ich bin zweifellos kein pflegeleichter, unumstrittener Zeitgenosse. Wenn ich in den letzten Jahren gefragt werde, was ich beruflich mache, antworte ich meistens: Ich bin Zyniker - und boshaft bissiger Satiriker. Aber real war ich über viele Jahre Fotokünstler, jetzt allerdings im Rentnerstatus, bin immer noch Lyriker und Erzähler, was nicht häufig vorkommt, denn die meisten Literaten - und ich nehme diese Bezeichnung relativ ernst - sind entweder Erzähler oder Lyriker, selten beides. Ich habe viel veröffentlicht und immer noch mehr Ideen, als ich tatsächlich in Endform verfassen kann. So verfüge ich über ein riesiges Rohentwurfsarchiv, habe mir aber fest vorgenommen, das auf jeden Fall noch in diesem Leben durchzuarbeiten - und noch viel mehr zu veröffentlichen. Ich habe vor langer Zeit Kunst studiert, in Essen und Bremen, war dann ein paar Jahre in der Comercial Werbung tätig, bis mir endlich klar wurde, dass das nicht das war, was ich wirklich machen wollte, dafür habe ich nicht jahrelang Kunst / Fachbereich Fotografie studiert. So begann über kleine Umwege mein Leben als freier Fotograf, wobei ich sehr viel für Musiker, Theaterleute, Tänzer/-innen und mit besonderer Vorliebe für Privatkunden/-innen gearbeitet habe. Ich habe in einer Rockband mitgemacht, Theater und Kabarett gespielt und bin stets meinem geliebten Beruf treu geblieben, - wie meiner langjährigen Lebensgefährtin, die leider viel zu früh verstorben ist. Ich habe nicht so viel Geld gekriegt, wie ich verdient hätte, auch deutlich weniger als viele meiner Kollegen/-innen, war aber überaus glücklich damit, denn ich konnte frei arbeiten und habe eine Menge Spaß dabei erlebt. Ich war und bin ein unbequemer, unangepasster Querdenker, sage nicht bedenkenlos zu allem Ja und Amen, misstraue fertigen Konzepten für das Leben, pflege ausgiebig mein eigenständiges Denken und suche nach allen Infos, die ich kriegen kann, um mir ein wohlüberlegtes Urteil zu bilden. Politischen Systemen und ganz besonders Parteien stehe ich grundsätzlich mit tief verwurzeltem Misstrauen gegenüber, denn sie erstreben nur egomanische Machtansprüche. Den sogenannten "Volksvertretern" bringe ich zu 95% allein abgrundtiefe Verachtung entgegen, weil sie uneingeschränkt nur ihre Interessen aus Machtgier und persönlicher Selbstbereicherung vertreten, aber nicht die Interessen jenes Volkes, dem sie dienen, dessen Nutzen sie mehren sollen, wofür sie sehr gut bezahlt werden. Sie können von mir keinen Respekt erwarten, denn Respekt bekommt man nicht einfach so geschenkt, man muss ihn sich verdienen. Aber ich kann mir selbst bei intensivem Nachdenken keinen Grund vorstellen, warum z.B. bundesdeutsche "Volksvertreter" oder der meisten anderen europäischen Parlamente meinen Respekt verdienen sollten. Auch staatliche Institutionen können mein Vertrauen nicht erwarten. Ich pfeife auf die political correctness und habe kein Problem damit ehemaligen Weggefährten mit nachvollziehbarem Grund kräftig in den Arsch zu treten, wenn sie es verdient haben, bin dabei polarisierend und provokativ, parteiisch und rücksichtslos, - weil und wenn es nötig ist. Ich bin kein Deutscher - kein Ausländer - bekennender Europäer.

Eine Antwort »

  1. Nein, einfach bist du nicht, aber das macht es gerade aus.
    Denn Du bist was Du bist …

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