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Islamistisch osmanische Absurditäten – Folge 602

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Islamistisch osmanische Absurditäten  – Folge 602

„Freiheit ist das Recht, das zu sagen, was andere nicht gerne hören wollen …“

George Orwell

 

 

Erdogans protzige Kraftmeierei

Ist er jetzt dem eigenen Größenwahn erlegen?

Erlebt er einen völligen Realitätsverlust?

Versucht er tatsächlich die völlige Isolation zu erreichen?

Der rüpelhafte, korrupte Steuerhinterzieher, der pöbelnde Bauerntrampel, der Massenmörder, bekennender Anti-Semit, bekennender Sympathisant und Verbündeter von massenmörderischen islamfaschistischen Terrororganisationen wie Hamas, Hizbollah oder IS, bekennender Islamfaschist, erklärter Gegner der Demokratie, Meinungsfreiheit, unabhängiger Justiz, Bürger- und Menschenrechte, Kriegstreiber, Heuchler, Despot, Diktator, selbsternannter Großsultan des neuen Osmanischen Reiches   Erdogan Sultan   und islamistische Schweinehund      Recep Tayipp Erdogan 1   Recep Tayyip Erdogan kann aufgrund seiner autoritär totalitären Umwandlung der Türkei zum anti-demokratischen Osmanischen Reich mit Großmachtfantasien   Erdogans weißes Haus 2  Erdogans weißes Haus  eine Menge Dinge tun, kritische Journalisten, Staatsbürger, Staatsanwälte, Militärs, Schriftsteller und Polizisten inhaftieren, er kann problemlos protestierende, demonstrierende Untertanen durch seine eigene SA-Polizei blutig niederknüppeln und durch die von ihm persönlich gleichgeschaltete, kontrollierte und entmachtete Justiz zu langjährigen Haftstrafen verurteilen lassen,    Recep-Tayyip-Erdogan-Adolf-Hitler-Mischung   unerwünscht kritische Zeitungen verbieten und Fernsehsender schließen lassen, er kann YouTube, Twitter und Fazebook nach Vorbild des faschistischen China zensieren oder gleich ganz abschalten lassen, er kann illegale Geschäfte mit dem IS und dem von ihnen gestohlenen Erdöl zur persönlichen Bereicherung abschließen, ihnen Waffen liefern lassen,      Erdogan und Isis   denn er kann sich sicher sein, dass er für die an ihn durch deutsche und amerikanische Exporteure gelieferten Waffen sehr viel, sehr viel Erdöl vom IS bekommt, und dass das Geld größtenteils in seine privaten Geheimkassen fließt. Er kann kurdische Dörfer und mit den USA verbündete kurdische Kampfstellungen gegen den IS bombardieren lassen,    erdogan-karikatur-670   seinen von ihm streng kontrollierten Geheimdienst anweisen Bombenattentate im Namen kurdischer Organisationen durchzuführen und die Grenzen nach und aus Syrien für durchreisende ausländische Terroristen / Kombattanten unkontrolliert offen halten lassen, Europa zu menschenverachtenden Zugeständnissen und viele Milliarden Euro im Zuge der Flüchtlingsströme aus den Kriegsgebieten erpressen,    Kriegsflüchtlinge aus Syrien 2   –  aber eines kann er ganz offensichtlich nicht: Er kann und will nicht verstehen, dass es auch Völker und Staaten gibt, die sich mit seinem autoritären Herrschaftswahn nicht identifizieren, die Meinungs-, Presse-, Satire-, Demonstrations- und Versammlungsfreiheit als hohes Rechtsgut anerkennen, denen eine unabhängige Justiz und Polizei von grundsätzlicher Bedeutung sind. Er ist es gewohnt und betrachtet es als selbstverständlich, dass alle Untertanen sich nach seinem Wort und Willen ausrichten, dass sie bedingungslos gehorchen   Maske Erdogan 07b    oder für viele Jahre in Gefängnissen verrotten    Tyrann Erdogan 1 . Für ihn ist es unvorstellbar und völlig inakzeptabel, dass es Staaten und Völker gibt, die es tolerant erlauben, dass ein Fernsehsender ihn, den vielleicht wahrhaftigen, von Allah gesandten neuen türkischen Messias, diesen machtversessenen selbsternannten Großsultan von Istanbul und Ankara    Erdogan Sultan   in einem witzigen Video-Spot verspotten, was in seinen Augen vollendete Majestätsbeleidigung darstellt und mit mindestens 15 Jahren Haft und tausend Peitschenhieben bestraft werden muss. Schließlich weiß er und glaubt auch fest daran, dass er, der Allwissende und Göttliche, über allem Recht und Gesetz steht, dass die türkische Verfassung für ihn völlig irrelevant ist, dass er ungestraft Steuern hinterziehen und die türkische Staatskasse  –  faktisch ohnehin sein persönliches Eigentum  –  mit Korruption ausplündern darf, dass er in seiner psychopathischen Paranoia ohne jeden Zweifel weiß, dass er und sein (schein-)heiliges türkisches Volk von hinterlistigen und ungläubigen Kuffar-Verschwörern aus dem Westen nicht nur umzingelt ist, sondern Minute für Minute, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat ausspioniert und aggressiv angegriffen wird, um zu verhindern, dass die Türkei ein mächtiges, finanzstarkes, führungssicheres und hoch verehrtes Osmanisches Großreich im Nahen Osten, eine wahre Weltmacht wird, denn Recep Tayyip Erdogan ist die Türkei und die Türkei ist Recep Tayyip Erdogan, der Großmufti, der Großsultan und kommende Pascha von Istanbul und Ankara, von Allah gesegnet, unfehlbar, immer wahrhaftig und in seiner Position unangreifbar, Stellvertreter des Propheten Mohammed, des berüchtigten Kriegstreibers, Eroberers, Kinderschänders und Hassbibel Verfassers, auf Erden.

Bemüht um das politische Gleichgewicht darf ich hier natürlich nicht verschweigen, dass die „neue Türkei“ nicht nur bei kritischen Zeitgenossen ein ausgesprochen zweifelhaftes Staatsgebilde ist und der Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan samt seiner handverlesenen Arschkriecher-Regierung ein hochkrimineller und fragwürdiger Staatsmann. Gerade die Deutschen  –  ich gehöre ja bekanntlich nicht dazu  –  sind aus der deutschen Geschichte verpflichtet sich gegen ethnische Ausgrenzungen und Säuberungen durch Verfolgung und Ermordung zu stellen, und gleichzeitig mit aller Kraft und wenig nachdenkendem Geist darum bemüht jeden Anschein von Islamkritik zu vermeiden, obwohl sie diese absurd vergeudete Kraft besser positiv für wirklich wichtige gesellschaftspolitische Aufgaben und Ziele einsetzen sollten. Denn es ist nun mal eine unbestreitbare Tatsache, dass der Islam keine Religion ist, sondern nur eine Glaubensgemeinschaft islamischer Sekten, die sich seit Jahrhunderten mit allen Kräften und voller Hass bekämpfen und wechselseitig zu ermorden suchen,  –  folgerichtig völlig zu Recht zu kritisieren und von der Religionsfreiheit auszuschließen. Aber so ist es eben hierzulande, unsere Volksvertreter und Medien sind völlig verkrampft und angestrengt bemüht selbst schlimmste und menschenverachtende Aktivitäten und kriminelle Handlungen von Muslimen in diesem Land klein zu reden und haben sich mit den wichtigsten Medienvertretern und den ausführenden Polizeipräsidenten darauf geeinigt z.B. nicht mehr die Herkunft und den Migrationshintergrund eines Gewalttäters oder Mörders in der Öffentlichkeit zu erwähnen  –  siehe dazu auch       https://belgarathblog.wordpress.com/2014/08/07/die-schwer-auszumachende-allianz-der-stillschweiger/

Es ist längst ein offenes und vielseitig bekanntes Geheimnis, dass seit Anfang der 90er Jahre mehrere hundert Mädchen und Frauen nur in Deutschland einem Ehrenmord zum Opfer fielen, politisch korrekt als Familiendrama verbrämt. Jahr für Jahr werden Tausende junge muslimische Mädchen – so berichten Menschenrechtsgruppen – von niedergelassenen muslimischen Ärzten/innen und illegalen Beschneiderinnen, in Vermittlung durch die Imame in den zahlreichen Moscheen, rechtswidrig sexuell verstümmelt, – obwohl die Bundesrepublik Deutschland die UN Menschenrechtscharta und die weltweite Kampagne gegen religiös verbrämte Beschneidungen (Entfernung der Klitoris und Schamlippen) unterzeichnet hat und dieses menschenverachtende Verbrechen verbal verteufelt.

So ist es z.Zt. nicht opportun öffentlich zu erwähnen, dass die Türkei von einem typisch demokratischen Rechtsstaat etwa soweit entfernt ist wie in unserem Sonnensystem der Neptun von unserem Heimatplaneten Erde. Nur so ist zu erklären, dass die bundesdeutsche Öffentlichkeit durch Amnesty International mit einer nachgewiesenen Realität dieser diktatorischen Türkei geschockt werden konnte,   –  durchaus vergleichbar mit der post-stalinistischen Diktatur von Weißrussland mit dem Despoten  Staatspräsident Alexander Lukaschenko, der ebenfalls wie Erdogan kein Freund von Witzen und lustigen Späßen ist  –  oder dem direkten Nachbarregime in Syrien mit dem Kriegsverbrecher und Völkermörder Bashar alAssad,   assad_bashar    der mit seiner verbrecherisch faschistoiden Kriegsstrategie gegen das eigene Volk und der Unterstützung durch das post-stalinistische Putingrad und Zar Vladimir Putin, der Mörderische,    Putin in Hitlerpose 3   die Vorherrschaftsträume Erdogans im Nahen Osten ernsthaft gefährden kann. Das klingt erst einmal etwas seltsam und ungewöhnlich, aber Putingrad/ehem. Russland ist mindestens ebenso weit von einem mehr oder weniger demokratischem Rechtsstaat entfernt, wie die islamistische Türkei unter dem pöbelnden Despoten und Bauerntrampel Erdogan. Daher auch dessen heuchlerische Doppelstrategie gegenüber der EU und der NATO: IS eher halbherzig bekämpfen und gleichzeitig massiv unterstützen, um Assad mit etwas Kriegsglück doch noch stürzen zu können und sich einige größere Teile des auseinanderbrechenden Syrien unter den Nagel des erträumten Osmanischen Reiches zu rauben. Er weiß und hat es am Rande in Europa miterlebt, dass die völkerrechtswidrige Neuordnung der Nachkriegsgrenzen und die Annektierung begehrter Teile eines Nachbarstaates, wie z.B. der Ukraine durch die sowjetfaschistischen Söldnertruppen, von der NATO und Europa zwar in diplomatischen Protestnoten verurteilt wird, dass er aber keinerlei wirksame Repressalien deswegen zu fürchten braucht.   Erdogan und Hitler    Mit seiner totalitären und repressiven Staatspolitik, die zweifelsfrei von der Mehrheit des türkischen Volkes getragen und unterstützt wird, hat er durch das endlose Drama der Kriegsflüchtlinge auf dem Weg in ein besseres, friedliches Leben – oder zumindest die Illusion dessen – Europa fest unter Kontrolle. Wagen sie es ihn nachhaltig zu kritisieren, lässt er kalt lächelnd oder vor Zorn pöbelnd die Grenzen zur EU wieder öffnen und die Hunderttausende Kriegsflüchtlinge ihren Marsch nach Europa fortsetzen. Da kommt es zu absoluten Unzeit, dass Amnesty International der türkischen Regierung eine beschämende Anklage vorhalten konnte, dass zwar die Milliarden aus der EU für die Lösung und organisatorische Logistik des Flüchtlingsstroms aus den mörderischen Kriegsgebieten hochwillkommen sind, damit Recep Tayyip Erdogan und sein krimineller Familienclan eine weitere Chance erhält davon viele zig-Millionen durch dunkle Kanäle für die persönliche Bereicherung zu nutzen, der aber Woche für Woche konträr zur EU Vereinbarung und selbst zu türkischen Gesetzen, Tausende Kriegsflüchtlinge illegal über die Grenze zurück nach Syrien deportieren lässt. Die Einen, weil sie in den Augen und im Verständnis des selbsternannten Großsultans Erdogan Sympathisanten der von ihm verhassten Kurden sind, die Anderen, weil sie Gegner des islamfaschistischen Verbündeten und Öllieferanten IS sind.

Darf ein europäischer Staat diese unbestreitbare Wahrheit einfach totschweigen und Verträge mit einer faschistoiden Regierung zum Nachteil von Kriegsflüchtlingen abschließen? Diese Frage sollten Sie meine Leser/innen selbst beantworten.

Den Islam erleben

Eines aber zeigt sich in dieser Erdogan Absurdität ganz deutlich und beantwortet alle diesbezüglichen Fragen: Kommst Du den Islamisten auch nur ein kleines Stück entgegen, trittst in Verhandlungen ein und machst ihnen Zugeständnisse, reichst ihnen also bildlich gesprochen den kleinen Finger der guten Nachbarschaft, dann wollen sie nicht nur sogleich den ganzen Arm, sondern alles, dein individuelles Freiheitsgefühl, dein Recht auf Kritik gegen die Herrschenden, deine Bürgerrechte, dein Recht auf unbeschnittene unzensierte freie Rede und Presse, dein Recht auf deine frei gestaltete Persönlichkeit und Individualität, deine vorbehaltlose Unterwerfung unter die typischen islamistischen Menschenrechte, die faktisch nicht existieren. Du sollst ihre Maßstäbe des totalitären Beherrschtwerdens zu den deinen machen, den Herrenmenschen des Islam bedingungslos gehorchen und sie als Herrenmenschen rückhaltlos anerkennen, – sprich: Du sollst dich widerstandslos selber dem Islam versklaven..

Bleibt nur noch die immens wichtige Frage: Darf man über so einen Heiligen wie Erdogan, so einen Gesegneten Witze machen und schallend lachen?

genau hier

„Extra 3“-Satire – Bundesregierung weist türkischen Protest offiziell zurück

Erdogan versucht, auf deutsche Medien Druck zu machen, deren Berichterstattung ihm missfällt

Juncker: Protest gegen Erdoğan-Satire „entfernt Türkei noch weiter von der EU“

Der Mann, der Erdogan deutschen Humor erklären muss

Erdogans Wutausbruch lässt Berlin kalt

Wie Erdoğan sein Land systematisch isoliert

Keine weiteren Gespräche nötig im Satire-Streit mit Ankara

Erdogan: Die Lachnummer von Ankara

Erdogans Leibwächter greifen Kritiker seiner Politik beim Besuch in den USA auf offener Straße an

Wegen eines Erdogan-Liedes der NDR-Satire-Sendung „extra3“ bestellt die türkische Regierung gleich den deutschen Botschafter Martin Erdmann ein. Das zeigt, wie unverhältnismäßig der Staatspräsident selbst auf Witze reagiert: Ein solcher Schritt ist sonst nur bei massiven außenpolitischen Zerwürfnissen zwischen zwei Ländern üblich. Aber die türkische Regierung beließ es nicht dabei: Informationen der Nachrichtenagentur AFP zufolge verlangte Ankara gegenüber dem deutschen Botschafter gar, dass die gesamte, im Internet abrufbare Sendung gelöscht wird. Ein direkter Versuch Ankaras, in die deutsche Pressefreiheit einzugreifen.

Stinkefinger 3

Präsident Erdogan macht sich lächerlich, wenn er den deutschen Botschafter wegen eines Satirevideos einbestellt. Die deutsche Diplomatie versucht, ihn so gut es geht vor der Blamage zu bewahren. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist ein Mann, der viele Feinde kennt. Genaugenommen befindet sich der türkische Präsident permanent im Kampf gegen Verschwörungen aller Art: ein Prediger in den USA, der einen großangelegten Plan zu seinem Sturz verfolgen soll, unbotmäßige Journalisten, Staatsanwälte mit einer verdeckten Agenda, finstere ausländische Mächte. Die Liste derer, die ihm und seinem Land angeblich Böses wollen, ist lang. Nun musste der Präsident einen weiteren Angriff auf seine Ehre erdulden. Die Satiresendung Extra 3 des Norddeutschen Rundfunks wagte es, sich in einem Videoclip über den türkischen Herrscher lustig zu machen. Zur Musik von Nenas Hit „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ wird darin der „Boss vom Bosporus“ besungen: „Ein Journalist, der was verfasst, das Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast“, heißt es. Oder: „Gleiche Rechte für die Frau’n. Die werden auch verhau’n“. Dazu sind Bilder von Polizeigewalt gegen eine Demonstration zum Weltfrauentag zu sehen. Der Präsident, so viel ist sicher, hat den Scherz nicht goutiert. Erdogan zeigt nicht nur, dass er den Sinn von Satire nicht versteht – sondern auch, wie weit er sich von der Realität entfernt hat: Offenbar nimmt er an, die Kanzlerin könne genauso wie er es selbst in seinem Osmanischen Reich handhabt einfach mit einem Anruf dafür sorgen, dass ein kritischer Beitrag entfernt wird. In seinem eigenen Land hat Erdogan ein Klima geschaffen, in dem sich Medien kaum noch trauen, den Staatspräsidenten zu kritisieren: Zuletzt wurde die oppositionelle, der Gülen-Bewegung nahestehende „Zaman“-Zeitung unter Regierungsaufsicht gestellt. Im vergangenen Jahr wurden zwei Karikaturenzeichner wegen „Präsidentenbeleidigung“ zu Geldstrafen verurteilt. Offenbar denkt Erdogan mittlerweile, er könne auch gegen ausländische Journalisten in der Türkei so vorgehen. Wie weit seine persönliche türkische Regierung dabei zu gehen bereit ist, zeigte der Fall der niederländischen Reporterin Frederike Geerdink: Sie wurde im vergangenen Jahr wegen angeblicher Sympathien zu kurdischen Arbeiterpartei PKK vor Gericht gestellt. Die Reporterin wies die Vorwürfe zurück: Sie habe lediglich aus der Südosttürkei berichtet, wo seit vergangenen November eine Militär-Offensive gegen die PKK läuft. Geerdink wurde freigesprochen, aber aus der Türkei ausgewiesen. Ein ähnliches Schicksal hätte womöglich dem „Spiegel“-Korrespondenten Hanain Kazim gedroht: Kazim sagte, aus Sicherheitskreisen sei ihm zugetragen worden, dass ihm ein Prozess wegen Unterstützung einer Terrororganisation drohen könnte, sollte er das Land nicht verlassen. Als eine türkische Behörde seine Akkreditierung nicht verlängerte, zog der „Spiegel“ den Korrespondenten Mitte März ab. Selbst die Fürsprache der Bundesregierung für Kazim war vergeblich.      Stinkefinger 3

Dass Erdogan nicht nur die Bodenhaftung, sondern jegliches Maß verloren hat, zeigt sich auch in seinem Umgang mit ausländischen Diplomaten. Als mehrere Gesandte  zum ersten Verhandlungstag eines Prozesses gegen den Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ erschienen, rastete Erdogan im türkischen Parlament regelrecht aus. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass Diplomaten bei politisch umstrittenen Gerichtsprozessen als Beobachter im Zuschauerraum sitzen. Erdogan aber zürnte:  „Wer sind Sie? Was haben Sie dort zu suchen? Dies ist nicht Ihr Land, dies ist die Türkei!“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Anadolu. Man könnte meinen, dass der Staatspräsident seinen Zorn zumindest gegenüber wichtigen Bündnispartnern wie Deutschland im Zaum hält. Aber nein: Unter den Botschaftern, die den Prozessauftakt beobachteten, war auch der deutsche Botschafter Erdmann. Nach einem Tweet des britischen Generalkonsuls Leigh Turner über den Prozess  brachte Erdogan sogar indirekt einen Rauswurf des Briten ins Spiel: Mit der Wortmeldung sei eine Grenze überschritten, sagte Erdogan. In anderen Ländern würden Diplomaten, die sich so verhielten, nicht einen Tag länger geduldet. Nur „unserem Edelmut und unserer Gastfreundschaft“ habe „diese Person“ es zu verdanken, dass sie weiter in der Türkei Dienst tun könne. Das heißt: Der großmütige Staatspräsident entscheidet, welcher Diplomat bleibt und welcher gehen muss.

Der türkische Staatspräsident macht immer wieder deutlich, dass er Deutsche türkischer Herkunft als Türken betrachtet – und sich selbst als ihr feudal sultanisches Oberhaupt. Bei Auftritten in Deutschland in den Jahren 2008 und 2011 warnte er Deutsch-Türken vor zu viel Assimilation in die deutsche Gesellschaft: Türkischstämmige Eltern sollten ihren Kindern erst Türkisch beibringen, erst dann komme Deutsch. Kritiker vermuten, dass Erdogan mit solchen Worten versucht, einen Keil zwischen Deutsch-Türken und Deutsche zu treiben, um seine Macht über die türkische Community zu wahren. Besonders umstritten war Erdogans Auftritt in Deutschland im Mai 2015 kurz vor Parlamentswahlen in der Türkei. Kritiker warfen ihm vor, bei den Deutschtürken Wahlkampf für seine Partei zu machen, die islamisch-konservative AKP. Eigentlich schreibt die türkische Verfassung dem Staatspräsidenten politische Neutralität vor.   Stinkefinger 3

Die Bundesregierung hat den türkischen Protest gegen eine Satire im deutschen Fernsehen nun auch offiziell zurückgewiesen. Staatssekretär Markus Ederer machte am Dienstagabend in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen deutlich, dass die Presse- und Meinungsfreiheit „nicht verhandelbar“ sei, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Mittwoch mitteilte. Der deutsche Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, war zuvor innerhalb von einer Woche zwei Mal in das türkische Außenministerium einbestellt worden. Beim ersten Treffen verlangte die türkische Seite, dass eine Fernsehsatire des Norddeutschen Rundfunks über Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nicht mehr verbreitet wird. Beim zweiten Treffen ging es um die Teilnahme Erdmanns an einem Prozess gegen regierungskritische Journalisten. Bei beiden Gelegenheiten konterte Erdmann die türkische Kritik mit Hinweisen auf Grundrechte und -werte, wie es im Auswärtigen Amt in Berlin hieß. Politische Satire sei in Deutschland nun einmal von der Meinungsfreiheit gedeckt – es sei für die Bundesregierung weder nötig noch möglich, in Sachen „Erdowie“ einzugeifen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die Einbestellung des deutschen Botschafters in der Türkei wegen einer Satire im deutschen Fernsehen mit deutlichen Worten verurteilt. „Dieser Schritt steht nicht in Einklang mit unseren Werten“, sagte eine Sprecherin in Brüssel. Die Handlung bedeute eher eine Entfernung der Türkei von der Europäischen Union als eine Annäherung.

Stinkefinger 3

Das Selbstbild des sogenannten türkischen Präsidenten und selbstherrlichen Sultans Recep Tayyip Erdogan kollidiert immer mehr mit der Außensicht und den Realitäten in der Welt. Nun lehnt selbst der US-Präsident ein Gespräch mit Erdoğan in Washington ab. Westliche Diplomaten wegen einer Prozessbeobachtung abkanzeln, den deutschen Botschafter wegen einer harmlosen Satiresendung einbestellen, die amerikanische Regierung wegen der Festnahme eines regierungsnahen türkischen Geschäftsmanns rüffeln: Innerhalb weniger Tage haben der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, und seine Regierung mächtig gegen westliche Partner ihres Landes geholzt. Neue Freunde haben sie dabei nicht gewonnen, im Gegenteil. Die Türkei gerät unter ihrem dünnhäutigen Staatschef zunehmend in die Isolation. Jetzt lege sich Erdoğan auch noch mit westliche Diplomaten an, schrieb der Politologe Fethi Açıkel auf Twitter. Die Türkei gerate jeden Tag mehr in die Isolation. Mit Russland liegt das Land ohnehin seit Monaten im Streit, mit den meisten Nachbarn ebenso. Ein Beispiel dafür ist der Besuch in den USA – Erdoğan reiste am Dienstag nach Washington zu einem Gipfel über nukleare Sicherheit. US-Präsident Barack Obama lehnte laut Medienberichten ein eingehendes Gespräch mit Erdoğan während seines Besuchs ab; auch bei der Einweihung einer von der Türkei finanzierten Moschee und Begegnungsstätte in Maryland am kommenden Freitag wollte Obama lieber nicht dabei sein. Vor seinem Abflug in die USA konnte Erdoğan deshalb nur mitteilen, dass er Obama sicher sehen werde – denn an dem Gipfel nehmen beide Politiker teil. Doch wie lang die Begegnung dauern werde, wisse er nicht. Sonderlich harmonisch wäre ein Meinungstausch zwischen Erdoğan und Obama derzeit ohnehin nicht. Der türkische Staatschef wirft den USA vor, mit der Unterstützung für die Kurden in Syrien einer Terrorgruppe zu helfen. Am Dienstag hat er zudem die Festnahme des türkisch-iranischen Geschäftsmanns Reza Zarrab wegen Geldwäsche kritisiert: Zarrab, der als regierungsnah gilt, war eine Schlüsselfigur in dem Korruptionsskandal, der Erdoğan vor zwei Jahren in Bedrängnis gebracht hat. Nun sagte Erdoğan, die amerikanische Justiz solle sich lieber seinen Erzfeind, den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen, vorknöpfen.   Stinkefinger 3

Weil die das aber entgegen dem erklärten Willen des türkischen Diktators nicht zu tun bereit ist, setzt sich dieser bei seinem Besuch des Atomgipfels in Washington/Verunreinigte Staaten von Amerika vorsätzlich über die kläglichen Reste von Freiheit für das amerikanische Volk, insbesondere der Pressefreiheit, provokativ hinweg und weist seine zahlreichen Bodyguards an, die demonstrierenden Kritiker vor dem Konferenzgebäude zu verjagen, zu verprügeln und ganz besonders die bekannten kritischen Journalisten zu attackieren. Und das passiert auch prompt, draußen vor der Tür attackieren seine Bodyguards Journalisten, drinnen beschwert sich Recep Tayyip Erdogan über „haltlose Anschuldigungen“ zum Zustand der Pressefreiheit in der Türkei. Was wie ein Scherz klingt, ereignete sich tatsächlich am Donnerstag vor dem Brookings Institut in Washington. Der türkische Staatspräsident ist für den internationalen Atomgipfel in die US-amerikanische Hauptstadt gereist, vor dem bekannten Think Tank hielt er am Nachmittag eine Rede. Sein dringlicher Wunsch im Rahmen dieses Gipfels auch vom US-Präsidenten Obama zum 4 Augen Gespräch empfangen zu werden, wurde affrontief vom Weißen Haus abgelehnt. Vor der Tür des Instituts hatten sich eine Handvoll kurdischer Demonstranten versammelt. Wie Handyvideos und -fotos zeigen, gingen die Bodyguards zunächst mit Tritten und Schlägen gegen Demonstranten vor, dann auch gegen umstehende Journalisten. Betroffen waren unter anderem die US-amerikanische Journalistin Amberin Zaman, ehemals Türkei-Korrespondentin des „Economist“, und Adem Yavuz Arslan, bis zu deren gewaltsamen Enteignung Washington-Korrespondent der mittlerweile eingestellten Tageszeitung „Bugün“. Amberin Zaman berichtete, einer der Bodyguards hätte sie als „PKK-Hure“ beschimpft. Adem Yavuz Arslan schrieb, er sei für die Veranstaltung mit dem Staatspräsidenten akkreditiert gewesen. Während Mitarbeiter des Instituts versucht hätten, ihn ins Gebäude zu bringen, hätten Bodyguards ihn rausgezerrt. Offenbar wussten die Bodyguards genau, mit wem sie es zu tun hatten.    Stinkefinger 3

Es ist nicht das erste Mal, dass Erdogans Leibwächter im Ausland durch brutale Gewalttätigkeiten auffallen. Im Herbst lieferten sie sich in Brüssel ein Handgemenge mit belgischen Polizisten, im Februar verprügelten sie in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito Demonstrantinnen. Und tags zuvor versuchten sie mit kollektivem Blöken die Protestrufe vor Erdogans Hotel in Washington zu übertönen. Kurz nach diesen Szenen vor dem Eingang des Instituts pries Erdogan die Pressefreiheit in der Türkei. Auf Nachfrage eines US-Journalisten sagte er, in der Türkei würden keine Journalisten verfolgt. Nur zwei der inhaftierten Journalisten besäßen einen Presseausweis, keiner würden wegen journalistischen Tätigkeiten angeklagt, sondern wegen Terrorismus und anderer Straftaten. Dabei verschwieg er geflissentlich, dass eine direkt dem Ministerpräsidenten unterstellten Behörde über die Erteilung von Presseausweises entscheidet, – ebenso wie den Umstand, dass in der Türkei nicht viel zu gehört, um wegen Terrorismus angeklagt zu werden. Dafür überraschte Erdogan mit der Bemerkung: „Angesichts der großen Terrorbedrohung, der die Türkei ausgesetzt ist, gibt es kein anderes Land, das in Sachen Rechte und Freiheiten höhere Standards hätte als die Türkei.“

Ungefähr zur selben Zeit wurde am Istanbuler Flughafen die Anglistikdozentin Meral Camci verhaftet. Camci gehörte zu den am Ende 2212 Wissenschaftlern, die Anfang des Jahres einen Aufruf zum Ende der Gewalt in den kurdischen Gebieten unterzeichnet und damit den Zorn des Präsidenten auf sich gezogen hatten. Sie und mehrere Dutzend weitere Unterzeichner verloren darauf ihre Jobs, gegen einige hundert wurden Disziplinar- oder Strafverfahren eröffnet, und seit Mitte März sitzen der Historiker Muzaffer Kaya, die Psychologin Esra Mungan und der Mathematiker Kivanc Ersoy in Haft. Der Vorwurf: Terrorismus.

Doch auch Kritik aus Berlin würde beim türkischen Präsidenten wohl kaum ein Umdenken bewirken. Das Grundproblem sei, dass die Sichtweise der Erdogan Regierung inzwischen nichts mehr mit dem zu tun habe, was der Rest der Welt sehe, schrieb der Kolumnist Orhan Kemal Cengiz in der regierungskritischen Zeitung „Özgür Düşünce“. Oder wie es ein bekannter deutschtürkischer Kabarettist formuliert: Was guckst Du?   Stinkefinger 3

Eckpunkt der Erdogan’schen Weltsicht ist die Überzeugung, dass sich die Türkei anschickt, eine wichtige Rolle auf der internationalen Bühne einzunehmen, was auf den Widerstand anderer Akteure trifft. Die angeblichen Verschwörer haben Erdoğan persönlich ins Visier genommen, sind seine Anhänger überzeugt: „Sie wissen sehr gut, dass die Widerstandskraft der Türkei erlahmen wird, wenn sie Tayyip Erdoğan schwächen können“, schrieb Yavuz Selim Kıran, ein Berater des türkischen Außenministeriums, in der regierungsnahen Zeitung „Yeni Şafak“.

siehe dazu auch    http://www.focus.de/politik/ausland/extra-3-satire-bundesregierung-weist-tuerkischen-protest-offiziell-zurueck_id_5393879.html

http://www.focus.de/politik/videos/tuerkei-erdogan-wuetet-gegen-deutschen-botschafter-bei-medien-prozess_id_5387401.html

http://www.focus.de/politik/videos/ausgerechnet-am-weltfrauentag-macho-anfall-von-erdogan-fuer-mich-ist-eine-frau-vor-allem-eine-mutter_id_5343758.html

http://www.focus.de/politik/ausland/schelte-fuer-deutschen-diplomaten-diese-vier-dinge-zeigen-wie-gefaehrlich-partner-erdogan-fuer-deutschland-ist_id_5391756.html

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-03/satire-deutscher-botschafter-vorladung-tuerkei-recep-tayyip-erdogan-bundesregierung-reaktion

http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/schlaglichter_nt/article153808940/Bundesregierung-weist-tuerkischen-Satire-Protest-offiziell-zurueck.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/ndr-sendung-juncker-protest-gegen-erdoan-satire-entfernt-tuerkei-von-der-eu-1.2927198

http://www.welt.de/politik/deutschland/article153808463/Der-Mann-der-Erdogan-deutschen-Humor-erklaeren-muss.html       siehe auch Video

http://www.tagesschau.de/ausland/erdogan-satire-107.html

http://www.n-tv.de/politik/Merkels-Mann-in-Ankara-article17343631.html

http://bazonline.ch/ausland/europa/ein-video-und-die-folgen-satireaffaere-in-10-akten/story/25432813

http://de.reuters.com/article/deutschland-t-rkei-satir-idDEKCN0WW10I

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/8296388/erdogans-wutausbruch-laesst-berlin-kalt.html

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4955897/Turkei_Wie-Erdogan-sein-Land-isoliert?direct=4956502&_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/index.do&selChannel=103

http://www.swissinfo.ch/ger/berlin–keine-weiteren-gespraeche-noetig-im-satire-streit-mit-ankara/42055544

http://www.dw.com/de/kommentar-die-lachnummer-von-ankara/a-19148247

http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-bestellt-deutschen-botschafter-wegen-ndr-beitrag-ein-a-1084367.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article153867577/Erdogans-Bodyguards-verpruegeln-Journalisten-in-Washington.html

http://www.focus.de/politik/ausland/pressefreiheit-in-der-tuerkei-obama-beunruhigt-ueber-erdogans-umgang-mit-den-medien_id_5402187.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/barack-obama-mahnt-recep-tayyip-erdogan-zu-offenheit-mit-presse-a-1085143.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/tuerkei-erdogans-umgang-mit-der-presse-nicht-zum-lachen/13392272.html

 

Der Islam - Verschimmeltes Brot 7

Wendet euch ab - 2

Die türkische Frauenrechtlerin, Anwältin und Islamkritikerin Seyran Ates

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Die türkische Frauenrechtlerin, Anwältin und Islamkritikerin Seyran Ates

“Freiheit ist das Recht, das zu sagen, was andere nicht gerne hören wollen …”

George Orwell

 

Seyran Ateş (geboren am 20. April 1963 in Istanbul, Türkei) ist eine deutsche Frauenrechtlerin und Autorin türkisch-kurdischer Herkunft, die sich als Rechtsanwältin in Berlin hauptsächlich mit Strafrecht und Familienrecht befasst und sich außerdem in der deutschen Ausländerpolitik engagiert. Wegen gewalttätiger Angriffe und Bedrohungen durch Prozessgegner sowie wegen Anfeindungen von verbandspolitischer Seite gab sie im August 2006 vorübergehend ihre Anwaltszulassung zurück. Seyran Ates ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und nimmt am Integrationsgipfel der Bundesregierung teil.

Zur Finanzierung ihres Jurastudiums an der Freien Universität Berlin arbeitete sie in dem Kreuzberger TIO (Treff- und Informationsort für Frauen aus der Türkei) für türkische und kurdische Migrantinnen, die sich vor der häuslichen Gewalt in ihren Familien schützen wollten. 1984 erschoss während der Beratungszeit ein Mann eine Klientin und verletzte Seyran Ateş lebensgefährlich. Der Tatverdächtige wurde von ihr und sechs anderen Zeugen identifiziert und später konnte seine Mitgliedschaft in der faschistischen türkischen Gruppe „Graue Wölfe” nachgewiesen werden, für die er als Auftragskiller gearbeitet haben soll. Wegen Ermittlungsfehlern wurde der Tatverdächtige freigesprochen und lebt bis heute unbehelligt in Berlin-Kreuzberg. Die Genesung und Heilung von den Folgen des Attentats zog sich über sechs Jahre hin. 1997 legte sie ihr zweites Staatsexamen am Kammergericht Berlin ab und beendete damit erfolgreich ihr Rechtsreferendariat.

Seyran Ateş wendet sich in der Integrationsdebatte gegen das in ihren Augen gescheiterte Konzept der und vertritt statt dessen die Idee der. Sie kämpft mit Vorträgen und Veröffentlichungen gegen das Kopftuch (ungeachtet ihrer kopftuchtragenden Mutter), gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde. Sie setzt sich für mehr Sozialarbeit in Familien mit türkischer und kurdischer Herkunft ein und fordert ein Gewaltschutzgesetz, das Frauen besser vor gewalttätigen Ehemännern schützt. Sie gehörte zu den Organisatoren und Unterstützerinnen der Mahnwache für das „Ehrenmord“-Opfer Hatun Sürücü. Wegen ihres Engagements für Integration und Gleichberechtigung wurde sie am 21. Juni 2007 in Deutschland von Bundespräsident Köhler mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Nach einem Scheidungstermin wurden sie und ihre Mandantin am 7. Juni 2006 von dem geschiedenen Ehemann bei dem Kreuzberger U-Bahnhof Möckernbrücke in übelster Weise beleidigt, bedroht und zusammengeschlagen, ohne dass einer der Passanten eingegriffen hätte. Danach folgten weitere Bedrohungen von anderen Verfahrensgegnern. Im August 2006 gab Seyran Ateş ihre Anwaltszulassung zurück. Sie begründete diesen Schritt mit häufigen Bedrohungen und tätlichen Angriffen durch Verfahrensgegner ihrer Mandantschaft. Sie warf türkischen Verbänden wie etwa der Türkischen Gemeinde zu Berlin eine Mitschuld an der „gewalttätigen Stimmung“ vor, obwohl diese Verständnis und Mitgefühl äußerten.

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Ich wollte nicht enden wie Hirsi Ali

Die Berliner Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates hat ihre Kanzlei geschlossen – aus Angst vor gewalttätigen türkischen Männern. Im Interview spricht Ates über die Feigheit deutscher und türkischer Verbände und ihre Hoffnung auf mehr Zivilcourage im Land.
Frage: Frau Ates, jahrelang haben Sie Anfeindungen und Drohungen standgehalten. Warum gab es für Sie jetzt keinen anderen Weg mehr als die Kanzlei zu schließen?

Seyran Ates: Es ist richtig, dass ich jahrelang mit der subtilen, latenten, aber auch mit der realen Angst gelebt habe. Seit ungefähr zwei Jahren ist die Bedrohung aber gestiegen – auch weil ich fast nur noch Familienrecht gemacht habe. Dann hat die türkische Tageszeitung „Hürriyet“ eine Kampagne gegen mich gestartet. Dort wurde ich als Nestbeschmutzerin bezeichnet, weil ich offen über Missstände geredet habe – zum Beispiel gesagt habe, dass Frauen und Mädchen in der muslimischen Community häufig zu Analverkehr genötigt werden, um die Jungfräulichkeit nicht zu gefährden und um zu verhüten. Es gab danach kaum eine Veranstaltung, zu der die „Hürriyet“ nicht jemanden hingeschickt hat, um ja wieder etwas gegen mich zu finden. In der Community hat die Zeitung so Stimmung gegen mich gemacht – genauso wie die großen türkischen Verbände. Von denen hat sich öffentlich nie jemand mit mir solidarisiert oder mich geschützt. Dieselben Verbände, die nun so tun, als würden sie hinter mir stehen.

Frage: Sie sind vor Jahren schon einmal von einem rechtsradikalen Türken lebensgefährlich verletzt worden. Im Juni wurden Sie nach einem Scheidungstermin von dem Ehemann ihrer Mandantin auf offener Straße massiv bedroht. War das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat?

Ates: Ja, nach dem Vorfall habe ich mich allein gefühlt – es hat scheinbar niemanden interessiert, dass ich bedroht wurde. Damals ging für mich eine extrem belastende Zeit los. Ich habe realisiert, wie gefährlich meine Arbeit tatsächlich ist. Diese Gefährdung, von der ich ja schon wusste, habe ich plötzlich doppelt und dreifach gespürt, weil ich gemerkt habe, dass keiner hilft. Aber das Nicht-Helfen ist ja nicht nur ein Nicht-Helfen-Wollen, sondern auch ein Nicht-Helfen-Können. In bestimmten Situationen kann einem niemand helfen – da kann man soviel Schutz haben wie man will. Derjenige, der einem schaden will, der wartet sowieso so lange bis er einen alleine erwischt. Polizeischutz 24 Stunden am Tag wollte ich aber nicht haben. Ich habe nie Polizeischutz beantragt. Es gab ja auch nie so eine massive Bedrohung, dass etwa jemand mit der Waffe vor meiner Tür stand. Es waren eher subtile Bedrohungen – Briefe, E-Mails, Anrufe.

Frage: Wer hat Ihnen überhaupt geholfen?

Ates: Es waren immer meine Familie und meine Freunde. Aus der Öffentlichkeit gab es damals sehr wenig. Für mich ist es beleidigend, wenn sich jetzt, nachdem ich meine Kanzlei geschlossen habe, die Türkische Gemeinde oder der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg zu meinem Fall äußern. Denn das sind diejenigen, die die Hetze gegen mich mitgeschürt haben, weil sie immer wieder behauptet haben, ich würde dramatisieren und übertreiben. Diese Leute haben immer nur mit dem Finger auf die deutsche Seite gezeigt – dorthin, von wo der Rassismus angeblich kommt. Die Verbände sind mitverantwortlich für die gewalttätige Stimmung gegen Frauenrechte.

Frage: Haben Sie sich auch von der Politik allein gelassen gefühlt?Ates: Ich denke, wir waren in einer heftigen Diskussion – politisch und gesellschaftlich. Ich möchte im Nachhinein keine Schelte betreiben. Letztendlich war es eine persönliche Bedrohungssituation, aufgrund derer ich die Entscheidung getroffen habe. Politik und Polizei können mich in dem Maße gar nicht schützen, wie es notwendig gewesen wäre. Jetzt bekomme ich über alle Parteigrenzen hinweg Unterstützung. Für mich ist das auch ein Zeichen dafür, dass meine Arbeit nicht umsonst war. Das ist eine Bestätigung dafür, dass parteiübergreifend das Thema ernst genommen wird. Jede Partei ist authentisch bemüht und die Politiker versuchen nicht das zu funktionalisieren. Dafür bin ich dankbar.

Frage: Wollen Sie – in anderer Form – in Zukunft weiter für die Rechte von Frauen arbeiten?

Ates: Ja, ich kann mir vorstellen, Politik und größeren Verbänden als Beraterin zur Seite zu stehen, Nachfolgerinnen zu unterstützen. Ich wünsche mir, dass die Arbeit für die Rechte der türkischen Frauen institutionell weiter verfolgt wird. Denn wenn die Debatte auf einzelne Menschen abgestellt wird, ist das der Sache nicht dienlich.

Frage: Inwiefern nicht?

Ates: Über mich etwa wurde gesagt, ich sei nur depressiv und deshalb würde ich Kritik üben. So wird der Sache der Inhalt weggenommen. Denn wenn eine Einzelmeinung immer nur als polarisierend wahrgenommen wird, immer nur ein Ausschnitt gesehen wird, Sätze rausgegriffen werden, weil man eine Person stigmatisieren will – so wie man mich immer als hysterische Feministin dargestellt hat – wird die Debatte kontraproduktiv. Deshalb sollten wir uns als Einzelpersonen zurückziehen. Die Debatte sollte weg gehen von den Einzelnen – auch weg von Necla Kelek, Serap Cileli, Fatma Bläser.

Frage: Bedeutet ihr Rückzug, dass es in Deutschland nicht möglich ist, Kritik am politischen Islam und an der Unterdrückung der Frau zu äußern, ohne ständig in Gefahr zu leben?

Ates: Ja, aktuell heißt es das. Für eine Einzelperson ist es zu gefährlich, authentisch Kritik zu üben. Man muss vorsichtig und diplomatisch sein.

Frage: Die Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali ist wegen ihrer Kritik am Islamismus eine der am stärksten geschützten Personen der Niederlande gewesen. Jetzt ist sie in die USA ausgewandert. Auch eine Option für Sie?

Ates: Ich wollte nicht so enden wie Ayaan Hirsi Ali. Ich liebe Berlin, ich möchte hier leben und nirgends anders. Ich habe die Entscheidung getroffen, mich in mein Privatleben zurückziehen, statt dieses Land irgendwann verlassen zu müssen – das wäre tragisch für mich. Mein Rückzug ist in meinen Augen aber kein Handtuchwerfen, sondern auch ein Signal. Ich habe den Eindruck, dass dieser Schritt der Debatte nützt, dass die Fronten sich anders aufeinander zu bewegen.

Frage: Glauben Sie, dass sich die Situation verschlimmert – sich islamische Menschen immer mehr abschotten, es also auch in Deutschland zu einem Zusammenstoß der Kulturen kommt?

Ates: Ich bin optimistisch, wenn die Gesellschaft endlich Zivilcourage zeigt. Dass die gefehlt hat, hat mich letztendlich dazu getrieben, meinen Beruf aufzugeben. Denn die Menschen, die mich bedroht haben, kommen zum größten Teil aus der normalen Gesellschaft, sind wenig gebildet und kaum aufgeklärt, haben sich aber etwa von der „Hürriyet“ beeinflussen lassen. Zum Teil haben sich aber auch Intellektuelle gegen mich gestellt, die nur sehr rudimentär über meine Arbeit Bescheid wussten. Ich habe mich von der Gesellschaft im Stich gelassen gefühlt. Von denen, die die Realität gesehen haben und sie trotzdem geleugnet haben. Dennoch: Ich habe das Gefühl, wir können nicht mehr zurück gehen, wir müssen uns mit diesen Themen auseinandersetzen. Ich denke, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Eine Veränderung ist immer mit Schmerzen verbunden. Und mein Rückzug ist so etwas wie eine Geburtswehe.

Das Interview führte Anna Reimann

Quelle: Ich wollte nicht enden, wie Hirsi Ali

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In der türkischen Community brodelt es

Seyran Ates wird für ihr Engagement für Musliminnen als Frau des Jahres ausgezeichnet – und warnt vor Unruhen in Kreuzberg

Herzlichen Glückwunsch, Frau Ates. Der Deutsche Staatsbürgerinnen-Verband verleiht Ihnen diesen Sonnabend wegen Ihres Engagements gegen Kopftuch und Zwangsheirat den Titel „Frau des Jahres 2005“. Werden sich die Türken mit Ihnen freuen?

Bestimmt. Ich würde die Arbeit nicht machen, wenn ich das Gefühl hätte, ich arbeite gegen die türkische Community. Sicher halten mich einige, wie die Journalisten der Zeitung Hürriyet, für eine Nestbeschmutzerin. Andere türkische Medien befürworten meine Arbeit, ich werde zum Beispiel regelmäßig ins türkische Fernsehen TD1 eingeladen. Und es gibt sogar türkische Männer, die mich auf der Straße ansprechen und sagen: „Hey, Sie sind doch die mutige Rechtsanwältin.“

Wie kommt es, dass Ihre Meinung so gefragt ist?

Das hat etwas mit dem 11. September zu tun, mit van Goghs Tod, den Anschlägen in Madrid und in London. Sehr viele in der deutschen Öffentlichkeit realisieren nun, dass es eine Parallelwelt gibt. Etliche waren noch dagegen, als ich erstmals gefordert habe, dass Zwangsheirat ein Straftatbestand wird. Und nun werden wir den bald haben.

Wie diskutiert man derzeit das Thema Frauenrechte unter Türken?

Da brodelt es, gerade wegen des Falles Hatun Sürücü, die von ihrem Bruder umgebracht wurde. Es gibt einerseits eine extreme Stimmung gegen die deutsche Presse, weil die den Fall angeblich missbraucht, um Türken wieder als Barbaren darzustellen. Gleichzeitig haben die Jugendlichen die Nase voll von dieser Gesellschaft und lassen die Wut am schwächsten Glied aus, den Frauen. Schauen Sie sich die Vororte in Frankreich an, in denen muslimische Jugendliche seit Tagen randalieren. Dort zählen Massenvergewaltigungen geradezu als Volkssport. So weit ist es hier noch nicht, aber es gibt die gleiche Wut.

Können Sie sich vorstellen, dass Kreuzberg auch mal brennt?

Wir werden diese Zustände bekommen, wenn wir nicht aufpassen. Ansatzweise haben wir das ja schon am ersten Mai. Da fallen bereits seit einigen Jahren jugendliche Migranten durch besondere Zerstörungswut auf. Viele junge Türken wollen ja raus aus ihrem familiären Hamsterrad, weg von all den veralteten Traditionen. Sie halten aber daran fest, weil sie ansonsten keine andere Möglichkeit haben, Macht zu beweisen.

Bringen deshalb junge Männer ihre Schwester um?

Na, was hat denn die Zeugin im Sürücü-Prozess ausgesagt, die Freundin des Bruders, der geschossen hat? Sie hat erzählt, dass sie mit ihm mal U-Bahn gefahren ist. Er hat auf die anderen Leute gezeigt und gesagt: „Das sind schlechte Menschen, wenn du die tötest, ist das keine Sünde.“ Solche Ideen entwickelt ein Mensch, der sich von der Gesellschaft nicht akzeptiert fühlt.

Was schlagen Sie vor? Wie kommen die Migranten aus dem Getto raus?

Wir müssen die Gettos auflösen. Ich halte nichts von diesen Multikulti-Fanatikern, die sich freuen, dass Migranten in gettoisierten Gegenden ihre Eigenheiten ausleben.

Aber ich kann doch nicht mal eben Kreuzberger Türken nach Wilmersdorf umsiedeln?

Doch. Sie müssen ihnen zumindest die Chance zum Umzug geben. Viele Migranten sind unglücklich, weil sie wissen, dass ihre Kinder auf einer Schule in Kreuzberg keine Chance haben. Ich bin sicher, dass dort mehr als die Hälfte der Migranten-Familien sofort umziehen würde. Auch, weil man dann der sozialen Kontrolle durch die anderen entgeht.

Wie sieht denn diese Kontrolle aus?

Meine Eltern haben mich als Kind nur deshalb nicht gerne vor die Tür gehen lassen, weil sie Angst hatten, was die Umgebung sagt. Die Leute haben etwa gefragt, warum die Seyran in die Volkshochschule geht. Da kamen Andeutungen, dass meine Keuschheit gefährdet sei.

In der Volkshochschule?

Sehen Sie, da ist für Sie keine Verbindung. Aber sobald ein türkisches Mädchen wissbegierig ist und zu einem Schreibmaschinenkurs geht, gilt das schon als offenes westliches Leben. Da könnte ja was passieren.

Sie sind in einer traditionellen Familie in Wedding aufgewachsen. Heute führen Sie ein selbstbestimmtes Leben und wohnen im schicken Mitte. Wie kam es dazu?

Ich hatte das Glück, dass ich die einzige Türkin in der Klasse war, da nimmt man die deutsche Gesellschaft anders wahr. Und ich habe nach vielen Besuchen deutscher Ämter schon mit 15 Jahren beschlossen, Jura zu studieren und mich für Minderheiten einzusetzen. Das half.

Noch ein Hilfsmittel?

Ich lebe gerne. Ich mache das alles doch, weil ich anderen Frauen helfen will, das Leben zu genießen.

Interview: Brenda Strohmaier

Quelle: In der türkischen Comminity brodelt es

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Multikulti ist verantwortungslos

Die Menschenrechtsaktivistin Seyran Ates, 41, fordert eine Verschärfung des Strafrechts, um türkische Einwanderinnen vor Gewalt und so genannten „Ehrenmorden“ zu schützen: „Die Linken und Liberalen sind immer nur ratlos und veranstalten Tagungen und suchen den Konsens – das ist zu wenig“

Interview Jan Feddersen

taz: Frau Ates, glauben Sie an Gott?

Seyran Ates: Ja. Weshalb fragen Sie?

taz: Weil es aus islamischen Kreisen heißt, Sie seien eine Nestbeschmutzerin, fern von Gott.

Seyran Ates: Typisch: nur weil ich den Multikultifrieden nicht einhalten will.

taz: Was haben Sie gegen Multikulti?

Seyran Ates: Oberflächlich gesehen nichts. Ein schönes Wort. Aber ein Deckmantel für eine Ideologie, die nicht hingucken will.

taz: Worauf denn?

Seyran Ates: Wie es in den türkischen Communities – und über die kann ich hauptsächlich sprechen – wirklich aussieht.

taz: Was sehen Sie, was andere nicht sehen können oder wollen?

Seyran Ates: Dass die Idylle trügt. Dass in Berlin, in Kreuzberg zum Beispiel, das Bunte nur von den Deutschen kommt – nicht von den Türken selbst. Die türkische Kultur dort ist grau …

taz: Der Karneval der Kulturen …

Seyran Ates: … ist eine deutsche Fiktion.

taz: Wie bitte?

Seyran Ates: Niemand schaut nach oben. Die Häuser hoch. Dort sieht man die Frauen, die auf keinen Fall mitmachen dürfen, die gucken hinter ihren Gardinen zu. Frauen, die manchmal nicht mal wissen, wo sie sind – sie sind eingesperrt.

taz: Warum meiden sie das pralle Leben?

Seyran Ates: Sie sind ja zwangsverheiratet worden und wissen genau, dass sie ihr Leben gefährden, wenn sie sich nicht an das halten, was ihre Familie ihnen als Pflicht aufgibt: sie dürfen nicht auf die Straße.

taz: Was heißt Pflicht in erster Linie?

Seyran Ates: Dem Manne zu gehorchen, ihm eine gute Ehefrau zu sein und die Kinder großzuziehen. Das sind Sklavinnen auf dem muslimischen Ehemarkt.

taz: Aber man sieht doch viele junge Frauen mit türkischer Herkunft, die in Berlin leben, wie sie möchten.

Seyran Ates: Klar gibt es die. Frauen wie Hatun Sürüncü. Die ihre Familien verlassen müssen, um ihr Leben zu leben. Selbstbestimmt. Hatun hat das ihr Leben gekostet – hingerichtet von ihren Brüdern, weil sie sich dem Zwang ihrer türkischen Familie verweigerte.

taz: Sie habe gelebt „wie eine Deutsche“.

Seyran Ates: Richtig – und an dieser Wendung kann man gut ablesen, wie lächerlich in der türkischen Community die Idee von Multikulti selbst gehalten wird. Man nimmt die deutschen zivilgesellschaftlichen Standards einfach nicht ernst.

taz: Fühlen auch Sie sich bedroht?

Seyran Ates: Natürlich. Jede Frau im Westen, die sich den Wünschen ihrer Familie verweigert, ist bedroht. Sie muss immer aufpassen. Unerträglich, aber so ist es.

taz: Kritik an ultrapatriarchalen Lebensverhältnissen in Einwandererkreisen wird von Linken nicht gern geäußert, man fürchtet, als rassistisch zu gelten.

Seyran Ates: Toll, ganz toll. Dass die Deutschen die Weltmeister sind, wenn es darum geht, bloß nicht als Rassisten zu gelten. Ehrenmorde zu kritisieren, sie zu ächten und das Strafrecht zu ändern, hat nichts, gar nichts mit Rassismus zu tun. Die Leidtragenden dieser besonderen Empfindsamkeit der Gutmenschen gerade dem Islam gegenüber sind wir Frauen.

taz: Muslimen gewogene Ethnologen meinen, Ehrenmorde hätten mit dem Islam weniger, mehr aber mit patriarchalen Verhältnissen zu tun.

Seyran Ates: Das eine ist vom anderen nicht zu trennen. Nur Multikultifanatiker finden diese Differenz interessant – um abzulenken, dass es jede Menge Probleme gibt.

taz: Vor allem durch die Männer?

Seyran Ates: Keineswegs. Es gibt auch unter türkischen Frauen viele, die missgünstig sind auf andere türkische Frauen, die, wie hieß das?, „wie eine Deutsche leben“. Als ich in der Schule gut war, meinten Verwandte, na, das geht doch nicht gut. Haben meinen Eltern gesagt, eine höhere Schule bräuchte ich nicht.

taz: Dennoch haben Sie mit Ihrer Familie gebrochen, um ihren Weg gehen zu können – Autorin, Expertin in Fragen muslimischer Integration, heimliche Heldin vieler türkischer Frauen.

Seyran Ates: Ich musste mich von meiner Familie verabschieden, es ging nicht anders.

taz: Heute passen Ihre Eltern mit auf Ihre kleine Tochter Zoe Sultan auf.

Seyran Ates: Wir verstehen uns wieder gut, wie eine Familie eben. Ich bin einfach ihr Kind – und sie lieben und verstehen mich. Sie, nein, wir haben gelernt, dass ein Leben „wie eine Deutsche“ sie nicht um ihre Tochter bringt.

taz: Gibt es nicht auch andere Wege für türkische Frauen in Deutschland, sich zu emanzipieren?

Seyran Ates: Meine Erfahrung spricht dagegen. Sie müssen den Bruch schaffen – sonst nimmt man sie nicht ernst. Und erst, wenn man sie ernst nimmt, kann man sich auch wieder nähern.

taz: Sie fordern neue Gesetze in Sachen Zwangsverheiratung. Den Grünen waren es unbehaglich – als sollten Muslime kriminalisiert werden.

Seyran Ates: Die haben eine unheimliche Angst, kulturelle Minderheiten an den Grundrechten zu messen. Das hat mich besonders geärgert – wo die Grünen sich immer so hübsch zugute halten, es mit den Menschenrechten ganz genau zu nehmen. Sind Frauenrechte keine Menschenrechte? Zwangsheiraten sind keine Bagatellen. Ich bin tatsächlich dafür, die Gesetze so zu verschärfen, dass sie Frauen schützen – und den Männern zu signalisieren, dass ihr Ehrenkodex vor deutschen Gerichten nicht zählt.

taz: Ehrenmord ist vor deutschen Gerichten schon als Totschlag bestraft worden, weil dem Täter seine kulturelle Prägung angerechnet wurde.

Seyran Ates: Vielen Dank für dieses besonders beeindruckende Signal für türkische Frauen in Deutschland. Mit kultureller Prägung – als ob die sich nicht auch ändern könnte – hat das nichts zu tun. Ehrenmorde an Frauen sind oft genau kalkuliert worden. Das war kein Trieb, der zwanghaft gelebt werden musste. Das war eine harte, eine mörderische Strafe. Und so muss diese Tat auch geahndet werden.

taz: Manche Familien beauftragen mit einem Ehrenmord den jüngsten Sohn, damit er, wenn überhaupt, nach dem Jugendstrafrecht angeklagt wird.

Seyran Ates: Was für mich ein weiteres Indiz für die genaue Planung des Verbrechens ist. Eine Frage der Ehre, eine der Kultur? Für mich sind das fürchterliche Ausreden, die von den Gutmenschen gern geglaubt werden. Ich bin dafür, das Jugendstrafrecht so zu verschärfen, dass der Trick, die Jüngsten für eine Mordtat auszusuchen, nicht mehr verfängt.

taz: Im kanadischen Toronto wird ernsthaft debattiert, in muslimisch geprägten Vierteln wenigstens im Zivilrecht die Scharia einzuführen.

Seyran Ates: Wenn es so wäre, könnte ich keiner Frau empfehlen, dort zu leben. Das wäre eine Bankrotterklärung der Zivilgesellschaft. Was das hieße: Züchtigung, Todesstrafe, Prügel, Entrechtung. Grauenvoll.

taz: Debatten in deutschen Schulen scheinen dieser Tendenz verwandt: Wenn muslimische Mädchen nicht zu Klassenfahrten, nicht am Sportunterricht oder am Sexualkundeunterricht teilnehmen dürfen.

Seyran Ates: Das sehe ich mit traurigen Augen. Was mich aber empört, ist, dass es nur die Mädchen trifft. Um die muslimischen Jungs geht es nie – immer nur um die Keuschheit der Mädchen. Gerade sie brauchen Wissen um Sexualität. Viele Mädchen müssen sich doch auf Analverkehr mit Jungs einlassen – weil dies die beste Verhütungsmethode ist.

taz: Ist ja auch für die Jungs ein rüdes Sexualleben.

Seyran Ates: Die spielen doch die andere Seite dieser Tragödie. Sie lernen von anderen Männern, dass Sexualität nur mit Gewalt zu haben ist – das ist für sie und für ihre Frauen eine Katastrophe.

taz: Gibt es nicht auch familiär beschlossene Ehen, die glücklich sein können?

Seyran Ates: Gegenfrage: Wie sehr muss sich eine Frau auf die Möglichkeit eines Zufalls einlassen? Viele Frauen hören doch in der Hochzeitsnacht, mach einfach die Augen zu und lass es geschehen. Das ist mein Blick auf die Dinge, der in der Bequemlichkeit der Multikultileute nicht vorkommt. Ein Blick, der stört, der den Faulen und Bequemen unter den Linken nicht passt.

taz: Weshalb empfinden Sie sie als faul?

Seyran Ates: Weil sie sich auf dem guten Gewissen ausruhen, irgendwie nicht rassistisch zu sein. Sie trinken Prosecco und kaufen gesunde Lebensmittel aus allen Ländern – und fühlen sich ziemlich gut. Mir kommt Multikulti wie organisierte Verantwortungslosigkeit vor.

taz: Man will sich eben in andere Kulturen nicht einmischen …

Seyran Ates: … warum nicht? Wir leben in einem Land. Es ist ein oft tödlicher Fehler, zu schweigen. Warum fordern deutsche Eltern türkische Eltern nicht auf, ihre Töchter auf Klassenreise mitfahren zu lassen? Wir sind eine Gesellschaft, nicht eine Ansammlung von vielen.

taz: In Dänemark hat die rechtskonservative Regierung eine Regelung durchgesetzt, dass nur ins Land darf, wer sich der dänischen Kultur unterwirft – Zwangsheirat fast ausgeschlossen.

Seyran Ates: Klingt nicht schlecht.

taz: Aber das ist ein Werk von Konservativen, von Rechten.

Seyran Ates: Na und? Dann ist es das eben. Konservativ muss ja nicht illiberal sein. Und immerhin ist das ein Vorschlag, um den Import von Frauen ohne Rechte zu verhindern. Die Linken und Liberalen und Feministinnen sind immer nur ratlos und veranstalten Tagungen und suchen den Konsens – das ist zu wenig.

taz: Kein Wunder, dass Sie gerade denen als Zumutung gelten.

Seyran Ates: Damit kann ich leben. 1984, nach dem Attentat auf den Frauenladen, in dem ich gearbeitet habe, hieß es auch schon, dass Frauen wie ich der türkischen Gesellschaft zu weit gegangen wären.

taz: Wie sehen Sie sich selbst?

Seyran Ates: Eine Frau, die genau in die Nester guckt, die Schmutz enthalten. Das ist mein Job.

taz: Ihr Lebensgefühl?

Seyran Ates: Ich bin öfter als früher erschöpft. Und ich habe auch Angst. Das ist beunruhigend für mich und meine Familie.

taz: Was sagt Ihr Gott zu dem Leben, das Sie leben?

Seyran Ates: Der ist mit mir auf meinem Weg.

Der Islam - Verschimmeltes Brot 6 klein

siehe auch Beiträge zum Thema  „Islamische Faschisten“     http://www.hans-brakhage.de/belgaraths-turmzimmer/einefragederehre-0

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